Schlapper Auftritt und ein Abtritt – Unser Senf zum Spiel (M05-S04)

Als ich gestern nach dem Spiel, das ich im Stammlokal von Königsblau Berlin verfolgte, mit der U-Bahn heimfuhr, stand neben mir eine junge rothaarige Dame mit einem riesengroßen, weißen Teddybären im Arm. Der war wirklich groß und dick, so richtig zum Knuddeln und Kuscheln. #teddylove. Am liebsten hätte ich mir den an Ort und Stelle nach dem Spiel gestern ausgeliehen.

Auch wenn oder gerade weil es auf Schalke im Moment alles andere als kuschelig ist. So wenig kuschelig, daß der Manager Christian Heidel, zeitlich wohlabgestimmt (?) nach dem Spiel in Mainz, seinen vorzeitigen Abschied verkündete.

Nix mehr im Tank

Zum Spiel: schlapp. Nach der überflüssigen Niederlage gegen City war die Mannschaft körperlich und geistig sichtlich ausgelaugt. Ein Team, das auf bestimmte, funktionierende Abläufe, idealerweise gepaart mit individueller Qualität, zurückgreifen kann, besteht dann immer noch ein Spiel bei Mainz 05. Diese Mannschaft konnte und kann das nicht. Weil der Trainer es ihnen bislang nicht vermitteln konnte, infolge der Verletzungssituation und weil die Mainzer, völlig legitim, jeglichen Ansatz von Schalker Kombinationsfußball, in der ersten Halbzeit durchaus vorhanden, mit – nicht überharten – Fouls verhinderten. „Schneid abkaufen“, nennt man das. Diese ausgelaugte blaue Truppe ließ sich den Schneid abkaufen. So etwas geht, insbesondere auf Schalke, nicht, egal wie ausgelaugt man ist.

Schalke schafft den Nächsten

Christian Heidel geht also vorzeitig. Der richtige Moment, sich das Interview in der Süddeutschen von vorletzten (!) Samstag (hinter einer Bezahlschranke) nochmals in Auszügen zu Gemüte zu führen. Zusammengefaßt betont er, wie wichtig die Investitionen in die Infrastruktur und die Jugendarbeit sind, auf Kosten des Budgets für die Profis. Daß man nicht mehr wie vor fünf Jahren arbeiten kann, lies: als Horst Heldt sportliche Dellen durch den einen oder anderen Schnellschuß auf dem Transfermarkt heilen wollte (Boateng, Bastos, Raffael, Affelay ….). Daß man Grundlagen gelegt hat, die nicht nächsten Samstag helfen, aber übermorgen und überübermorgen positive Resultate zeitigen.

Daß er natürlich weiterarbeiten will, wenn die Gesamtgemegelage stimmt, soll heißen, Anspruch und Möglichkeiten in Einklang zu bringen sind. Das sieht Heidel offenbar nicht mehr als gegeben, indem seine Position durch insbesondere die Berichterstattung der Sportbild beschädigt sieht. Das verstehe ich sehr gut, Springer-Schelte kann es nicht genug geben, ich habe meinen Böll, Hentschel, Wallraff, Goldt gelesen und Ernst August von Hannover werde ich auf ewig für seine Bildreporter-Beschimpfung feiern.

Und alle Fragen offen

Nur warum gab es die von Norbert Elgert öffentlich gemachte Auseinandersetzung um das Budget für den Jugendbereich? Die erst kürzlich durch eine Erhöhung des Budgets gelöst wurde, wenn ich das richtig verstanden habe? Wurde intern, in der Hierarchie oder auf Vorstandsebene, gegen Heidel gearbeitet?

Gab Heidel das Interview, veröffentlicht am 16.02.2019,  in dem Wissen um seinen Abschied? Hat Tönnies, aller (gespielten?) Überraschung über Heidels Abschied zum Trotz, über seine Springer-Kanäle (Golfkumpan und Brechmittel Alfred Draxler) Heidel mürbe gemacht?

Muß #teddylove jetzt auch gehen? Bloß nicht, Hände weg von #teddylove, laßt den machen und diese Saison Dellen einsammeln. An dieser Stelle keine Grüße an den Schalker Kollegen von Königsblau Berlin, der gestern ständig all sein Italienisch mit allem Mut aufsammelte und „Tedesco stupido“ vor sich hinstammelte.

Kommt Bruno Labbadia? Falls ja, dann kracht’s richtig, Freunde.

Und kommt jetzt eine Diskussion um eine Ausgliederung? Denn im Heidel-Interview steht auch ein Hinweis auf die begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten eines e.V. Neben einem Hinweis auf die Aussicht auf einen Rekordumsatz und einen Rekordgewinn, die bei der nächsten Veröffentlichung der Geschäftszahlen wohl verkündet werden.

Wird der Heidel-Weg, die Strukturen auf Topniveau zu bringen, fortgesetzt? Wie soll der in sportlicher Hinsicht mit wenig Fachkompetenz besetzte Aufsichtsrat künftig besetzt sein?

Viele Fragen, viel Ratlosigkeit, viel Stoff für die kommende Mitgliederversammlung, auf der auch Clemens Tönnies turnusgemäß als Aufsichtsrat zur Wiederwahl steht. Ich bin gespannt, welches Kaninchen er diesmal aus dem Hut zaubern wird.

Aber vorher ist Abstiegskampf, Leute. Das ist die harte Wirklichkeit. Schalke, wie es lebt und wir dran leiden.

Glückauf!

Joe

Joe

Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
Joe

Ein Kommentar zu “Schlapper Auftritt und ein Abtritt – Unser Senf zum Spiel (M05-S04)

  1. Hallo Joe , weise Worte ! Zwar nicht neue Erkenntnisse aber dennoch richtige Worte. Zum Thema Tedesco sehe ich es anders. Dieser Trainerneuling ( und durchaus Talent) ist mit der Situation auf Schalke völlig überfordert. Man macht sich langsam Sorgen um die Gesundheit. Dieser Verein ist noch eine Nummer zu groß für ihn . Wir werden bald sehen, das eine Reisleine gezogen werden muss. Tedesco hat seine Spieler alle bekommen und sie haben fast alle nicht funktioniert. Ein Scherbenhaufen. Der
    X te Neuanfang steht bevor . Die Hauptursache liegt aber nicht bei Trainer und Heidel . Die sitzt ohne Fußballer im Aufsichtsrat. Glück auf Udo

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