Rudi.

Rudi Assauer ist tot. Als ich die Nachricht gestern abend hörte, hatte ich das Gefühl, daß die Zeit kurz stillsteht.  So ähnlich, wie am 17. Mai 2006, als er, kurz vor dem WM-Wahnsinn 2006, als Schalke-Manager zurücktrat.

Erinnerungen schießen hoch. Nicht an den Spieler, dafür bin ich zu jung, der beim Nachbarn und Erzrivalen Teil der Mannschaft war, die als erster deutscher Vertreter einen Europapokal gewann. Legende konnte er. Aber an den Typen. Den Manager. Den Macher.

Hinter dessen breiten Rücken der Rest in Ruhe arbeiten konnte. Wer sich mit Schalke anlegen wollte, bekam es mit Rudi zu tun. Der seine größte Leistung vielleicht zu Beginn seiner zweiten Managerzeit auf Schalke vollbrachte, indem er 1993/1994 dafür sorgte, daß Schalke überhaupt die Lizenz bekam. Die „guten alten Zeiten“, in denen das Wort „Lizenzvergabe“ beim geneigten Schalker für schlechten Schlaf sorgte. Rudi ging voran, führte mit seinen Mitstreitern Schalke auf einen neuen Weg. In eine neue Ära.

Erinnerungen an Spieler, die er holte. Jiri Nemec, Marc Wilmots, Gerald Asamoah, Ebbe Sand. An Trainer: Jörg Berger, der uns 93/94 vor dem Abstieg rettete. Und natürlich: Huub Stevens.

Erinnerungen an Erfolge und Dramen. Der Klassenerhalt 1994. Der 21. Mai 1997, Mailand.  Der 19. Mai 2001, der Tag, an dem für ihn und viele andere der Fußball-Gott starb. Zwei DFB-Pokalsiege.

Erinnerungen an Sprüche und Taten. An die mindestens mutige Entscheidung, die Arena zu bauen. An einen verbeulten Pokal. „Entweder schaffe ich Schalke, oder Schalke schafft mich.“ „Vom Fußball hat sie keine Ahnung, aber sonst ist die Alte schwer in Ordnung.“ Ein oft gespielter und persiflierter Veltins-Spot. Die Kacke, die man nach der Schneeschmelze sieht. Der Natz von Dülmen. „Form schlägt Klasse.“

Bei allem nervösen Schalker Auf und Ab, das gestern abend mal wieder ein Auf war, die Ära, die Rudi ab 1993 begründete, ist die sportlich erfolgreichste Phase des S04 seit den 30er/40er Jahren.

Die letzten Jahre war er von der Alzheimer-Krankheit gezeichnet, die er nicht verbarg, sondern offen darüber sprach, ein Buch darüber mitveröffentlichte und eine Initiative dazu ins Leben rief.

Ich schließe die Augen, sehe ihn Zigarre rauchen, höre sein knurriges Timbre, denke „Mach’s gut, Rudi“, und bin jetzt still.

Joe

Joe

Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
Joe

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3 Kommentare zu “Rudi.

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen. Danke für den tollen Text. Einen wie ihn hat es nie gegeben und wird es nie mehr geben. Wir alle haben ihm einige der schönsten Tage unseres Lebens zu verdanken.

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