Nicht nur der VAR ist ein Problem

Das samstägliche Regelchaos hat bei mir noch weitere Fragen aufgeworfen, die nichts mit dem VAR zu tun haben. Ich möchte daher mal zuerst folgende Szenen des Spiels nebeneinander stellen:

  1. Der Spieler Weghorst vom VfL Wolfsburg erhält die gelbe Karte, nachdem er in aggressiver Weise auf den Spieler Burgstaller zugerannt und diesen umgestoßen hat.
  2. Der Spieler Brooks erhält die gelbe Karte, nachdem er den Spieler Embolo beim Versuch des Kopfballs mit dem Fuß gegen den Kopf tritt.
  3. Der Spieler Sané zupft den Spieler Weghorst am Trikot, so dass dieser fällt und erhält dafür die gelbe Karte.

Ich hoffe, das klingt ausreichend nach Spielbericht eines Schiedsrichters? Gut. Meine Irritation rührt nicht (!) von der unausgeglichenen Vergabe der Karte innerhalb dieses Spiels. Ich glaube mittlerweile, dass eine Reihe von Stresssituationen und gefühlte sowie tatsächliche Ungerechtigkeiten auf dem Platz daher kommen, dass das Instrument der „gelben Karte“ einfach zu grob gestrickt ist für die sehr unterschiedlichen Vergehen auf dem Platz. Denn: Will der Schiedsrichter getreu den Regeln pfeifen, droht schnell der Platzverweis-ein Albtraum im Profifußball. Belässt er es bei Ermahnungen, greifen Unsportlichkeiten und Fouls um sich, denn die Spieler spüren sehr schnell, wenn sie sich was „erlauben“ können.

Ein Ausweg wäre die Zeitstrafe, die den Regelkatalog im Strafenregister ergänzt. Sie könnte alternativ zu einer Karte oder als Vorstufe zum Platzverweis eingesetzt werden (sie wäre vielleicht die angemessene Reaktion auf Nastasics‘ Foul gewesen, das zu glatt Rot führte). Vier oder fünf Minuten in Unterzahl für eine Unsportlichkeit sind eine durchaus herbe Bestrafung, erlaubt aber, dass das Team die Chance hat, wieder ins Spiel zurück zu kommen. Dass der FC Schalke nun wahrscheinlich 2 bis 3 Spiele auf einen Spieler wegen eines einzigen Trittes verzichten muss, erscheint mir nicht mehr zeitgemäß (bei konkreten Verletzungsfolgen beim Gegner ist das sicher anders zu beurteilen).

Ganz nebenbei löste die Zeitstrafe noch eins meiner Lieblingsprobleme: Das unsportliche Schauspielern und Rumkugeln auf dem Platz nach vermeintlichen bösen Fouls. „Jeder Spieler hat für mind. eine Minute den Platz zu verlassen, wenn er aufgrund einer (vermeintlichen) Verletzung nicht mehr spielfähig ist.“ Wenn er tatsächlich behandelt werden muss-darf er das gerne tun. Wenn nicht, wird er es sich ab nun erstmal überlegen, ob er seiner Mannschaft in vielleicht entscheidenden Phasen des Spiels für wertvolle Sekunden fehlt.

Zur Inspiration habe ich mal einen Blick in und auf andere Sportarten geworfen:

Beim Basketball verliert ein Spieler mit dem fünften persönlichen oder technischen Foul seine Spielberechtigung für das laufende Spiel­-ein anderer Spieler darf jedoch seinen Platz einnehmen.

Analog zum Fußball gibt es im Rugby auch Karten als Sanktion. Nur haben diese eine andere Bedeutung als im Fußball und werden auch seltener in Rugbyspielen gezogen. Die Gelbe Karte wird auch Sin Bin genannt und bringt eine 10-minütige Zeitstrafe für den Spieler mit sich. Bei einer Roten Karte darf ein Spieler direkt zum Duschen. Im Rugby bekommt man eine Rote Karte nur bei sehr schweren Vergehen. Im American Football gibt es übrigens keine Zeitstrafen, sondern es wird in der Regel über Raumverlust bestraft.

Handball kennt zwei Minutenstrafen, mir als Laie will sich nicht ganz erschließen, wann die ausgesprochen wird; ich glaube verstanden zu haben, dass man sie bekommt, wenn man bereits verwarnt wurde (i. S. v. Gelber Karte). Die zweite Verwarnung hat dann wohl 2 Minuten zur Folge.

Besonders wertvoll ist der Blick in den Strafenkatalog des Eishockeys (z. B. http://www.eishockeypedia.de/ehm/Strafen). Aufgrund der naturgegeben hohen Körperlichkeit des Spiels und der Gefährlichkeit des Stockeinsatzes müssen die Spieler gut geschützt werden. Eine variabel einsatzfähige Zeitstrafe (2 oder 2+5 oder Matchstrafe) ist die Folge.

Im Übrigen sind Zeitstrafen im Fußball seit 2017 möglich-im Jugend- und Behindertenbereich.

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

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