Blicke zurück und nach vorn

Die Bundesliga ist schon seit 11 Tagen GEschichte, der DFB-Pokal seit Samstag in Frankfurt bei der Eintracht und die Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga gespielt.

Noch einmal: Glückwunsch, S04

In der Liga fuhr der S04 an einem wunderschönen Samstag inner Arena das übliche 1-0 gegen eine seltsam lethargische Frankfurter Eintracht ein. Selten habe ich so einen entspannten Schalke-Samstag live im Stadion erlebt. Mannschaft und Trainer ließen sich zu recht für das Erreichte feiern. Nur, lieber Domenico Tedesco, sollten Sie das hier lesen: Bitte passen Sie auf sich auf. Gesundheitlich. Bitte gönnen Sie sich auch Pausen. Ich weiß, Sie sind jung, gerade 32 Jahre alt, voller Energie und wollen mit Schalke die Fußballwelt erobern. Machen Sie, tun Sie, niemand auf Schalke will Sie aufhalten. Aber dafür müssen Sie fit sein. Ihre Augenringe sahen im Laufe der Saison ab und an bedrohlich aus. Also, gönn‘ Dir auch mal, „Tabasco“ (Nordkurven-Zitat im Spiel gegen Frankfurt).

Sieger und Verlierer

Dagegen sah die Eintracht nach dem 34. Spieltag wie eine der Verlierermannschaften der Saison aus. Neben dem HSV und Wolfsburg. Achter in der Liga, keine europäische Qualifikation, nachdem es monatelang nach dem Gegenteil aussah. Dazu die sichere Aussicht auf eine Klatsche im Pokalfinale gegen die Bayern, dazu ein Trainer, der sich eben zu den Bayern mit maximal ungeschickter Kommunikationstaktik vom Hof macht.

Und was habe ich der Eintracht den Tabellenstand nach dem 34. Spieltag gegönnt, nachdem sie uns im Pokalhalbfinale rausgeworfen hatten. Die Pest an den Hals habe ich ihnen gewünscht für das Pokalfinale. Bis zum Spielbeginn am vorigen Samstag. Dann entwickelt sich das Spiel und in der 96. Spielminute starre ich auf den Bildschirm und denke (oder rufe?) „Lauf, Junge, lauf!“. Weil es plötzlich so richtig anfühlte, dass die Eintracht-Band den Bayern den Pokal vor der Nase wegschnappte. Fußball, ey.

Ja, man kann die Bayern schlagen. In einem Endspiel. Und vielleicht nicht nur dort. An den Verlierer-Comment anläßlich von Siegerehrungen konnten sie sich angeblich nicht mehr erinnern oder sie wußten es gar nicht oder was auch immer. Sie wurden für ihr Verhalten nach dem Spiel in den Medien beinahe einhellig (bis auf einen etwas stumpfen Bayern-Fanboy bei Focus online) als schlechte Verlierer gebrandmarkt. Mindestens teilweise zu recht. Nur, und da fasse sich jeder an die eigene Nase, wer kann schon gut verlieren? Der Verfasser dieser Zeilen war als Kind ein unausstehlicher Verlierer, Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett durchs Wohzimmer schmeißen, beim Tennis bei Rückstand einfach im anliegenden Wald verschwinden – gelernt habe ich es nur langsam und einigermaßen als Fußballer und Basketballer. Selbst heute noch poste ich nach Niederlagen im Pokalhalbfinale auf Twitter so etwas. Aber nichtsdestoweniger, vom Branchenführer der Bundesliga kann man etwas mehr Stil erwarten. Auch wenn es schwerfällt. Man schaue sich nochmal die Siegerehrung nach dem WM-Finale 2014 an und achte besonders auf Leo Messi. Einfach ist das nicht.

Gute Relegation, schlechte Relegation

Wolfsburg hat sich gegen Holstein Kiel gerettet. Nun denn, haben wir Berliner Schalker auch kommende Saison ein weiteres quasi fußläufiges Heimspiel. OK, 56 Minuten mit dem ICE, Halt in Wolfsburg vorausgesetzt.

Die Relegation zur zweiten Liga stieß bei mir auf mehr Interesse. Gestern abend setzte sich Erzgebirge Aue gegen den KSC mit 3-1 durch, was auch Tedesco als vormaligem Aue-Trainer gefallen haben dürfte.

Zum Sinn und Unsinn der Relegation sei an dieser Stelle auf diesen Kommentar von Johannes Aumüller sowie diesen Tweet bzw. dieses Heidel-Interview verwiesen.

11Freunde

Für Mitbewohner Chris und mich seit einigen Jahren ist der 11Freunde-Saisonrückblick samt anschließender Party ein jour fixe.

Teilnehmer an der heiteren Gesprächsrunde über die Fußballsaison mit den üblichen, meist unterhaltsamen Videoeinspielern waren Jörg Schmadtke, Micky Beisenherz, Fritz von Thurn und Taxis sowie Thomas Helmer, unter der Moderation von Philipp Köster.

Hier die Kurzkritik:

  • Jörg Schmadtke: Cooler Auftritt. Nach der Pause schien er etwas angeschlagen, vielleicht unter dem Eindruck der Vertragsverhandlungen mit Wolfsburg, der langen Saison oder eventuell anregender Getränke zu stehen.
  • Micky Beisenherz: War da.
  • Firtz von Thurn und Taxis: Souverän. Elder Moderatoren-Statesmen. Ich mochte den am Mikro und er gefiel mir auch am Freitag abend.
  • Thomas Helmer: Warum darf der den Doppelpass moderieren?
  • Lasst das doch künftig den Philipp Köster machen, aus der 11Freunde-Redaktion. Oder von seinem heimischen Küchentisch, oder von einer Müllhalde, Ort egal, Hauptsache nirgendwo Thomas Helmer.

WeEm in Rußland

So, ab 14. Juni wird da noch so eine Fußball-WM in Rußland gespielt. Der DFB bezieht ab heute Quartier in Südtirol, im Kader steht mit Goretzka ein (Noch)Schalker, sowie mit Manuel Neuer, Ilkay Güdogan und Mesut Özil drei gebürtige Gelsenkirchener. Während der eine, Neuer, aufgrund seiner Verletzungsgeschichte ein Wackelkandidat ist, haben die anderen beiden auf eigene Art und Weise auf sich aufmerksam gemacht. Stichwort: Erdogan-Trikot-Gate. Nun, diese beiden Trottel oder ihr Umfeld oder ihre Berater oder eine Kombination aus den Genannten hielt oder hielten es für eine gute Idee, sich ablichten zu lassen, wie sie Recep Tayyip Erdogan, dem türkischen Staatspräsidenten, jeweils ein Vereinstrikot schenken. Richtig beschissene Idee. Es wird oder wurde ihnen hoffentlich intern eine passende Ansage gemacht.

Andererseits zeigt sich auch mal wieder, wie sehr die deutsche Mehrheitsgesellschaft immer noch in „Wir“ und „Die“ denkt. Bestes Beispiel Oliver Bierhoff, der davon schwafelt, dass Türken halt irgendwie noch an ihrer alten Heimat oder der ihrer Eltern hängen würden. Moment mal, er nennt zwei in Deutschland geborene deutsche Staatsbürger Türken? Wegen der türkischen Herkunft ihrer Eltern? Diese eine Äußerung von Bierhoff zeigt, wie lang der Integrationsweg immer noch ist. Denn allen Toleranz- und Respekt- und Integgrationskampagnen gerade des DFB zum Trotz ist für Herrn Bierhoff jemand namens Ilkay oder Mesut anscheinend immer noch alles Mögliche, aber kein Deutscher. Man sollte allen Einbürgerungswilligen empfehlen, sich bei der Einbürgerung gleich auch einen schönen deutschen Namen verpassen zu lassen. Michael  Schulte, oder so.

Wiederum andererseits, die Versäumnisse auf der Seite des integrierenden Landes rechtfertigen nicht, sich als Propaganda-Werkzeug für einen antidemokratischen Despoten  wie Erdogan herzugeben. Fußballer, ey.

Zum Schluss

Das torhagelblau-Team dankt nach seiner ersten Saison den Lesern und Kommentatoren. Es hat uns Spaß gemacht. Anhand des Feedbacks sehen wir, dass wir wohl nicht nur für uns selbst schreiben. Das freut uns sehr. Auf bald in diesem Theater. Glück auf!

Joe

Joe

Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
Joe

3 Kommentare zu “Blicke zurück und nach vorn

  1. Vielen Dank, lieber Joe. Ich möchte ergänzen, dass der Auftritt von Thomas Helmer beim Saisonrückblick ein unterhaltsame Vollkatastrophe war: Unterhaltsam für uns, ein PR-Debakel für ihn. Was stimmt mit dem nicht? Er trieb es mit Ahnungs- und Talentlosigkeit so weit, dass der Saal ihn am liebsten von der Bühne gejohlt hätte. TuT konnte ihn irgendwann auch nicht mehr retten. Bedauerlich. Sowas macht mich immer echt nachdenklich.

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  2. Stimmt, so oft lese ich, ohne zu kommentieren, deswegen schnell noch ein Dank für die vielen erheiternden und anregenden Posts. Auf das es nächste Saison so weiter geht.
    Liebe Grüße
    A

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  3. Macht immer wieder Spaß hier nach Spielen etc. Eure Kommentare und Beiträge zu lesen! Freue mich auf weiteren Lesestoff spätestens ab der neuen Saison. 🙂

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