Kein Fazit – Aber meine persönlichen Saisonhighlights 2017/2018

Da der letzte Spieltag noch gar nicht gespielt ist, kann ich noch kein Fazit über diese Spielzeit schreiben. Ich habe aber gerade im Zug viel Zeit und seien wir ehrlich: Was soll gegen Eintracht Frankfurt noch passieren? Unser Team hat das Recht auf ein entspanntes Auslaufen. Kampflos wird es sicher nicht, dafür sind alle Beteiligten zu ehrgeizig und erfolgsorientiert. Domenico „Teschi“ Tedesco wird sicher einigen Spielern eine Chance geben, die sich bis jetzt selten oder gar nicht in der ersten Elf wiederfanden: Pjaca, Nübel, Insua, Baba, Tekpetey. Mögen sie an der Eintracht Revanche nehmen, auf das es eine Freude sei.

Meine persönlichen Eindrücke und Highlights dieser Saison sind von diesem Spiel jedoch vollkommen unabhängig. Sie betreffen nicht einzelne Torraumszenen, Spielzüge, taktische Meisterleistungen oder Siege. Unabhängig von den Geschehnissen auf dem Platz und dem Tabellenplatz spüre ich selber eine neue Identifikation mit dem Verein. Im Wesentlichen hat das mit diesem Blog zu tun, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich in dieser Form publiziere. Diese Saison wird neben allem anderen also auch zuallererst mit der Torhagelblau-Kommune verbunden bleiben sowie der damit verbundenen Möglichkeit, viel und frei zu schreiben. Natürlich ging es auch sportlich gut los: Der gute Saisonstart sorgte für das nötige Momentum. Eins kam zum anderen. Aber ich glaube, dass diese Identifikation nicht nur vom sportlichen Erfolg getragen ist, sondern auch von der positiven Einstellung, die Tedesco und Heidel stets vermittelt haben. Ich will daran erinnern, dass die mit den Causae „Höwedes“, „Embolo“ „Goretzka“ und „Meyer“ auch Themen mit dem Potential zum Stimmungstod erfolgreich verarbeitet haben.  Deren Spaß an der Arbeit hat auf mich abgefärbt.

Am sichtbarsten ist diese Veränderung für mich in Bezug auf einen neuen Ehrgeiz geworden. Der Saisonbeginn gegen Leipzig sei hier beispielhaft genannt: Dieser Gegner wurde fast sprichwörtlich „aufgefressen“ (Derzeit einer der Lieblingsbegriffe von DT). Dieser Ehrgeiz, diese Gier, fast stoisch immer weiter zu rennen, zu grätschen und bis zur 94-sten Minute das Trikot zu durchnässen, ist das, was in der letzten Saison leider allzu oft gefehlt hat. Sicher sind einige Siege auf sportlich fragwürdige Art errungen worden. In der Ligastatistik der Fouls stehen wir ganz oben (obwohl ich nicht finde, dass das Team unsportlich agiert hat). Aber die defensive Stabilität ist durch Laufkraft, Klugheit und Mannschaftsgeist errungen worden, nicht durch Blockadehaltung. Die Konstruktivität der sportlichen Idee kann man auch an folgender Statistik ablesen:  Gegen die sechs Teams, die aktuell (33. Spieltag) auf einem internationalen Tabellenplatz stehen, haben wir in dieser Saison die 14 Punkte geholt, das sind  2,3 Punkte pro Team.  In der letzten Saison waren das noch zehn Punkte gegen sieben Teams (1,4 Punkte / Team). Sicher sind diese Zahlen sind Ausdruck eines Matchplanes, der gegen „mitspielende“ Gegner besser greift. Aber eben auch Beleg für den Willen, gegen starke Gegner selbstbewusst aufzutreten und das Glück zu erzwingen zu wollen.

Überhaupt, das „Glück“. Der Duden versteht darunter so Einiges:

  1. etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals
  2. das personifiziert gedachte Glück; Fortuna
  3. a. angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung
    b. einzelne glückliche Situation; glückliches Ereignis, Erlebnis
    (https://www.duden.de/rechtschreibung/Glueck)

All das ist zurück auf Schalke. Unsere „Fortuna“ heißt Naldo. Keine der Definitionen des Dudens hat übrigens etwas mit „Zufall“ zu tun, also einer Situation, die nicht erwartbar oder voraussehbar war. Wenn man im Fußball diszipliniert einige Grundregeln beachtet, dann ist Erfolg nicht planbar, aber erwartbar. Die Aufholjagd von Lüdenscheid war sicher eine solche glückliche Fügung. Nicht planbar, jedoch symptomatisch für ein funktionierendes Team, für eine gute, engagierte Grundhaltung, einen empathischen Trainer, ehrgeizige Spieler. Wer das Gute will, muss das Schlechte lassen. Nämlich Angst vor dem Misserfolg schüren. Im Derby war von dieser Angst nichts zu spüren (beim Gegner hingegen schon). Unser Momentum, unser Glück, jedoch kein Zufall.

Ich liebe mittlerweile Pressekonferenzen. Ginge es nach mir, könnten sie Stunden dauern. Ich plädiere übrigens dafür, dass Bloggerfragen zugelassen werden. Es sollte eine twitterwall im Presseraum geben und ein nerdiger Social Media-Angestellter stellt dann die interessantesten Fragen, die natürlich immer vom Eppinghovener, Joe oder Karsten kommen. Sie  – also die PKs – gehören zu meinen Saisonhighlights, weil sie manifeste Professionalität geworden sind. Tedesco und Heidel sind jederzeit in der Lage gewesen, eine ruhige, konstruktive Atmosphäre zu schaffen. Kritische Themen wurden ernst genommen, jedoch nicht dramatisiert. Interna blieben Interna. Die Mannschaft und Einzelakteure wurden vor unsachgemäßer Kritik geschützt, aber gleichzeitig in die Verantwortung genommen.  Die Höflichkeit, mit der Tedesco auf Spieltags-PKs dem Gegner entgegentritt, ist sprichwörtlich und in Zeiten von so vielen Unsachlichkeiten in der Berichterstattung nicht hoch genug einzuschätzen. Stellvertretend möchte ich den Fall „Stindl“ nennen,  bei dem der Spieler beim 1:1 gegen M‘Gladbach die rote Karte Bentalebs provoziert hatte. Tedesco hat hier trotz spürbarer Erregung nach dem Spiel die Größe, Stindls fußballerische Qualitäten zu loben und ihm gute Genesung zu wünschen. Über die Unsportlichkeit kein Wort. So gehört sich das (ich wünschte, ich könnte das genau so).

Einen Lieblingsspieler habe ich derzeit übrigens nicht. Seit Jeffs Abgang ist dieser Platz verwaist. Ich wünsche mir aber persönlich sehr, dass Breel und Amine in der nächsten Saison ihren Durchbruch schaffen, gesund bleiben und Europa wuselig spielen. Die sind mir aus unterschiedlichen Gründen ans Herz gewachsen.

Es war mir eine Freude, in dieser Saison hier für euch schreiben zu dürfen. Ich bedanke mich bei allen, die gelesen, kommentiert und verbreitet haben. Glück auf und einen schönen Sommer!

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

6 Kommentare zu “Kein Fazit – Aber meine persönlichen Saisonhighlights 2017/2018

  1. Sehr gute Zusammenfassung der Saison.
    Vielen Dank für all die lesenswerten Blogeinträge über den gleisten Club der Welt.

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  2. Schönes Nicht-Fazit der Saison! Ich schließe mich mal dem Vorschreiber am und sage Danke für eure tollen Beiträge!

    Freue mich schon auf die kommende Saison, hier und inner Arena! 😉

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  3. Volle Zustimmung, gerade auch was die PK angeht. Es ist einfach erfrischend, wie offen Tedesco das Spiel analysiert statt sich in der üblichen Phrasendrescherei („100% geben“ etc.) zu ergehen.

    Ein weiteres Saisonhighlight war übrigens Torhagelblau: Ihr habt die durch den schleichenden Tod des Koenigsblogs drohende Lücke in meiner Lesewoche mit Bravour geschlossen. Vielen Dank!

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  4. Kann mich dir in fast allem nur anschließen, sowie meinen Vorrednern. Ich möchte mich bei dir für deinen tollen Beiträge bedanken und hoffe es geht nächste Saison genauso weiter
    Vielen dank für deine Mühe

    Liebe Grüße
    Julia

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