Mensch, Meyer! Warum uns Max Meyer im Sommer verlassen wird. Und warum das nicht schlimm ist.

Ich freue mich sehr über die sportliche Entwicklung von Max Meyer in dieser Saison. Wir dürfen nicht vergessen, dass noch an dieser Stelle findige Vor-Ort-Beobachter feststellten,  dass MM7 nach dem gewonnenen Leipzig-Auftakt am ersten Spieltag fehlte. Sie schlossen daraus, dass er zu Vertragsgesprächen in London, Sevilla oder Mönchengladbach weilte. Weit gefehlt.

Nur wenige Wochen später drehte sich das Blatt und die Frisur, und Meyer gibt seit dem einen veritablen 6er.  Laufstark, mit Übersicht, zweikampfstark und vor allem: So pressingresistent, dass man einen Overwatch-Charakter nach ihm benennen müsste. Endlich hat Tedesco ein Mittel gefunden, gegen
stark und früh anlaufende Gegner den Ball und die Dominanz zu behalten. Alle scheinen glücklich. Verlängern wird Max Meyer seinen Vertrag jedoch nicht. Aus einem ganz einfachen Grund: Weil zu wenig dafür spricht.

Der „6er-Deal“ ist ein Stillhalte-Abkommen. DT hat eine Lösung gefunden, seinen technisch besten Spieler (und einen Publikumsliebling) irgendwo unterzubekommen und Meyer kann spielen. Das ist gut, denn er ist einer der besseren Spieler seiner Generation. Höchst zweifelhaft ist jedoch, ob sich Meyer damit abfindet, mit nur 22 auf eine Position geschoben zu werden, die nicht seiner eigentlichen Qualität und seiner Leidenschaft entspricht. Wirklich kreative, Aufsehen erregende Momente konnte er auf der Position doch nicht produzieren – außer das Slapstick-Tor im Pokal.

Fraglich auch, ob sich Tedesco auf der 6 nicht doch einen anderen Spielertyp wünscht; robust, schnell, vertikal, aggressiv, situativ offensiv. All das ist MM nicht. Das Grundproblem der letzten Jahre ist nämlich nicht gelöst: Der Bedarf an Spielertypen wie Meyer ist rar (überall in Europa).

Max Meyer wird aber Schalke 04 im Sommer verlassen, allein, weil er es kann. Nicht, weil er grundsätzlich unzufrieden ist. Seine Berater (ROGON) müssen ihm gar nicht einreden, dass er es eventuell versäumt hat, Schalke Richtung Ausland zu verlassen, solange es noch geht. Das weiß er selber. Ob er innerhalb der Liga wechseln wird, ist eher unwahrscheinlich. Er wird einen Verein aus dem oberen Tabellendrittel in einer anderen Liga finden; auch mit wenig Aussicht auf Titel, aber auf etwas höherem fussballerischem Niveau. Einfach: Weil man das heutzutage als Fußballprofi so macht.  Basierend auf dem Prinzip Hoffnung, dass durch einen Wechsel die Karriere diesen kleinen, entscheidenden Schub bekommt, der den Unterschied zwischen „Sehr gut“ und „Weltklasse“
ausmacht. Bei Toni Kroos hat es übrigens geklappt, bei vielen anderen jedoch nicht.

Ein Verbleib bei Schalke würde hingegen das Eingeständnis bedeuten, sich mit dem Status Quo abzufinden: Ein sympathischer, dribbelstarker und schlauer Fußballarbeiter, der im eigenen Jugendverein zum Publikumsidol reift. Aber die Karrieren dieser Generation sind geplant, sie erlauben nur wenig Romantik und Selbstzufriedenheit. Sie funktionieren nach dem sog. „Peter-Prinzip„: Der Spieler wechselt so lange, bis es schief geht und die Einsatzzeiten abnehmen. Der aktuelle Marktwert des Spielers beträgt übrigens nur ca. € 16 Mio. Ich glaube, zurecht, auch wenn ich in der Logik dieser Wertberechnungen nicht bewandert bin. Der fußballerische Wert vom Max für S04 ist hoch – aber nicht so hoch, wie in so manche Schalker gerne hätten oder sehen. Ich werde ihn trotzdem vermissen, einfach, weil: Ich mag ihn.

 

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
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