Gottes Werk und Markos Hose. Unser Senf zum Spiel gegen TSG 1899

Wieder ein sehr anstrengender Samstag abend. Halsschmerzen vom Schreien, spätes Schlafen vom Adrenalin. Sind ja seltsam hochgejazzt, diese Duelle gegen Hoffenheim. So ein Meister & Schüler-Konflikt wird da reinerzählt. Das das kein Spiel, Sieg, wie jeder andere war, merkte man Tedesco spätestens auf der PK an seiner fahrigen Überdrehtheit an.

Ganz am Rande möchte ich bemerken, dass ich persönlich, ohne eigene belastbare Erfahrung, Herrn Nagelsmann für einen sehr unsympathischen Menschen halte – eventuell ist das unfair, und die eher dramatische Situation rund um den Hoffenheimer Ausverkauf geht ihm einfach wahnsinnig auf die Socken und er lässt es sich anmerken. Könnte ich wiederum auch verstehen.

Wer überhaupt noch Argumente gegen die läppische Schlechte-Laune-Rhetorik von Mehmet Scholl und jetzt auch noch Michael Ballack (as if!) benötigt, sollte sich die ersten 70 Minuten der Königsblauen anschauen. Den „Laptop-Trainern“ wird fehlende Menschenführung unterstellt. Dabei holen Tedesco und Heidel aus Spielern in problematischen Situationen  – wie Breel Embolo – so viel raus, dass sie auch mit großer Wahrscheinlichkeit die Karriere von Mehmet Scholls Sohn Lucas noch rumbiegen würden. Fehlende Qualität und Typen? Was Ballack und Konsorten nicht verstehen wollen, ist, dass ein Spieler wie Leon Goretzka Führen und Vorangehen nicht mit starken Worten und Geschlechtsteil-Posing verbindet, sondern mit harter Arbeit und stiller Hingabe.

Das Schalker Spiel überzeugte lange mit hohem körperlichen Einsatz, schnellen Kontern, fehlerfreier Defensive, mannschaftlicher  Geschlossenheit. Verpackt war das königsblaue Kraftpaket in eine überraschende (also für mich überraschende), flexible taktische Hülle aus Viererkette, neuem Linksverteidiger und 6er. Davon ausgehend, dass Nagelsmann auf Schalke gewinnen musste, köderte man die Sinzheimer mit Spielanteilen, wie weiland Christian Lindner den sozialdemokratischen Parteivorstand. Passend dazu gab es hohes, aggressives Anlaufen, schnelles Kombinationsspiel und konsequentes Erobern des zweiten Balles. Hat funktioniert. Nicht mal den Vorwurf, den Deckel nicht drauf gemacht zu haben, kann man der Mannschaft ja eigentlich machen. Drei Tore aus vier Chancen; nur ein halber schweizerisch-kamerunerischer Fuß war dem 3:0 Pausenstand im Weg.

Wie gesagt: Beim ersten Schauen fand ich es sehr erschöpfend, weil die TSG scheinbar noch einmal zurückkam. Der Eindruck relativierte sich beim ruhigen Schulterblick in voller Länge am Sonntag. Sicher ließen die Kräfte speziell in der ersten Reihe nach 70 Minuten nach. Das Unterbinden des gegnerischen Aufbaus führte dann auch zum Gegentor. Hoffenheim drückt, aber letztlich steht Schalke. Großchancen sind Fehlanzeige. Unsere gesamte Defensive kassiert dabei keine gelbe Karte, ein Indiz für gute Raumaufteilung, Stellungsspiel, Konzentration. Hingegen wird zweimal an Pjacas Hose so verzweifelt gerissen, dass sehr aussichtsreiche Konter in Überzahlsituation im Keim erstickt werden.

Jetzt gibt es übrigens wieder einen 10er. Einen, der laufstark den gegnerischen 6er anläuft, bereits Erfahrung vorweisen kann und gleichzeitig aber ein Auge für die eigenen Offensivkräfte haben muss sowie über hohes kreatives Potential verfügt. Mal sehen, mit wem diese Position nächste Woche in Leverkusen besetzt wird.

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

2 Kommentare zu “Gottes Werk und Markos Hose. Unser Senf zum Spiel gegen TSG 1899

  1. Klasse Zusammenfassung, danke. Vielleicht könnte auf der neuen 10 ja auch Bentaleb noch mal in die Mannschaft rücken – die Technik und Übersicht hat er und eine Reihe weiter vorne kann Tedesco womöglich etwas besser mit seiner Risikofreudigkeit leben…

    Freuen würde es mich, denn von der 6 kriegt er Meyer in der Form so schnell nicht verdrängt und in Hinblick auf feste und mögliche Abgänge nächste Saison sähe ich ihn gerne mit mehr Spielpraxis.

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    1. Auch interessant. Ganz ehrlich, ich habe Nabil schon so lange nicht mehr spielen sehen, dass mir gerade die Vorstellungskraft fehlt, ob das hinhauen könnte. Ob jetzt ausgerechnet Leverkusen das Spiel ist, wo man das ausprobieren sollte? Zum Glück bin ich nicht Trainer.

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