Nach Gladbach, vor Augsburg: Unser Vor- und Rückschau-Senf

Das Jahresende 2017 nähert sich mit Riesenschritten, ebenso das Ende der Hinrunde der Saison 17/18. Bis dahin standen seit vorigen Samstag in 11 Tagen noch 4 Spiele an.

Der Anfang in Gladbach: Ein gerechtes 1-1, so wohl die vorherrschende Meinung. Taktische Beobachtungen hat Jakob im Nachbarblog aufgeschrieben. Über den „VAR“ wurde schon wieder viel diskutiert. Zu recht. Ich nehme an dieser Stelle mal die Idee von Dietmar Hamann auf, vor einigen Wochen auf Sky geäußert:

Gebt die Entscheidung, was videobewiesen werden soll, in die Hände der Teams. Ob es der Trainer und/oder die Mannschaft oder deren Kapitän auf dem Feld, einmal oder zweimal pro Halbzeit/Spiel, mit oder ohne „Bonus“ bei erfolgreichem Videobeweis: wichtig ist nach mE, dass nicht mehr einer im Kölner Pascha irgendwo „in Köln“ als permanenter, ortsabwesender Big-Brother-is-watching-you-Ober-Schiri alle vor Ort ganz unsicher, wuschig, nervös und ratlos macht. Lasst es die Spieler/Trainer auffem/am Platz entscheiden, was überprüft wird. Und zwar vom Schiri vor Ort, meinetwegen mit seinen Assistenten. Entscheidend is auffem Platz. „Alles andere ist schnulli-bulli.“ (Werner Hansch) Der Fußball im Stadion geht mit dem Videobeweis, so wie er jetzt gehandhabt wird, vor die Hunde.

Heispiel gegen Augsburg. Da fällt mir erst mal nicht viel zu ein, und dann schaut man auf die Tabelle nach dem 15. Spieltag und denkt: „Oh! Was machen die denn da oben auf Platz 5 sieben, nur drei Punkte hinter uns ?“ Offenbar einen guten Job bislang. Der gute Manuel Baum gilt auch nicht nur ein wenig als Taktik-Fuchs, oder wie Mehmet Scholl sagen würde: Student, so dass es morgen abend wieder ein Trainer-Duell werden könnte.

Der Mehmet, der Scholli und gefurzte Systeme: Von „blauen Wundern“ schwadroniert er, weil es inzwischen Trainer gibt, die nicht aus dem jahrzehntelangen ewig gleichen deutschen Fußball-Business-Mief vom Platz an die Seitenlinie geschafft haben. Abgesehen davon, dass jemand wie Domenico Tedescho als alter Kreisliga-Kicker vermutlich wesentlich mehr realen Umkleidekabinen-Mief in der Nase hatte, als Typen wie Scholli & Co.: Was bildet sich Scholli eigentlich ein, Fußball-Trainer in würdige und unwürdige aufteilen zu können? Nur mal so ein Gedanke: Wie geil muss das für jemanden wie Tedescho sein, dessen Fußballer-Karriere nicht über den Amateur-Bereich hinauskam, jetzt als Trainer in der Bundesliga zu arbeiten? Nach meiner Überzeugung liebt und atmet Tedescho Fußball. Er lebt Schalke. Und wie er mit seinen Spielern umgeht, da habe ich nicht Eindruck, dass er Individualität nicht schätzt, menschlich wie spielerisch, ganz im Gegenteil. Und er kann, so der Befund bislang, als Trainer so einer Gruppe von Individualisten einiges aus der Gruppe herausholen. Und den einzelnen. Meyer als 6er? Stambouli in der Dreierkette rechts? Oczipka linkes Mittelfeld? So dass das alles ganz gut zusammenpasst bislang? Respekt. Bis hierher kann ich mit dem „blauen Wunder “ à la Tedescho ganz gut leben.

OK, wenn sich Julian Nagelsmann nicht entblödet, sich bei Spielen im Dezember über Schnee auf dem Platz zu echauffieren (ab 02:45): dann scheint an Mehmets Rant auf den ersten Blick doch was dran zu sein. Aber nach mE das fällt mehr auf Nagelsmann selbst zurück. Fussi ist halt ein Draußen-Sport, Julian. (Ja, inner Arena nicht, Turnhalle und so, ich weiß.) Im übrigen hat Philipp Selldorf wie üblich ein paar lesenswerte Gedanken zu Schollis Rundumschlag formuliert.

Erst Augsburg, dann Frankfurt. Zu Kevin-Prince Boateng und seiner neuen Gang. „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl.“ (Han Solo) Aber jedesmal, wenn ich in dieser Saison ein solches Gefühl hatte, geschah etwas, was außerhalb der üblichen Schalker Erwartungen lag. Dieser Tedescho …

Und dann kommt noch der Effzeh zum Pokalspiel nächsten Dienstag inne Arena. Liebe Kölner, wenn Ihr den Pokal gewinnt, dann spielt Ihr nächstes Jahr wieder international. Das bekommt Euch anscheinend nicht so gut, also lasst es lieber. Im letzten Pflichtspiel des Jahres muss man den letzten der Bundesliga einfach wechhauen. Fertig werden. Und dann ist Weihnachten.

Joe

Joe

Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
Joe

2 Kommentare zu “Nach Gladbach, vor Augsburg: Unser Vor- und Rückschau-Senf

  1. Es gibt meines Erachtens einen trifftigen Grund gegen den Videobeweis (also für dessen Aussetzung): Er wurde eingeführt, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen, den Schiedsrichter (in seiner Position) zu schützen, endlose Diskussionen auf dem Platz zu verhindern. Das Ergebnis des Videobeweises ist aber genau die Ausgangslage + hohe Kosten. Der DFB würde sich keinen abbrechen, dass als Beta-Test zu verkaufen und mind. eine Halbsaison gemeinsam mit uns zu grübeln, was man daraus lernen kann.
    Zum S04: Ich will nicht unken. Aber in einer Woche wäre ich froh, wenn wir mind. eins der nächsten drei Spiel gewonnen hätten. Das bedeutete entweder einen hervorragenden Tabellenplatz in der Liga oder einen okayenen Tabellenplatz in der Liga und das Viertelfinale im Pokal. Aber das werden drei (!) sehr schwere Spiele; in denen es vor allem auf Disziplin und körperliche Reservern ankommen wird.

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  2. @Im letzten Pflichtspiel des Jahres muss man den letzten der Bundesliga einfach wechhauen.

    Wie schwer das sein kann, haben uns die Bauern gestern gezeigt.
    Egal …
    … zunächst mal auf Frankfurt konzentrieren.

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