Meta-Spielchen: Unser Senf zum Spiel

Seit ich Schalke kenne, kommen die unterschiedlichen Mannschaften der letzten zwei Dekaden nicht gut mit der Favoritenrolle zurecht. Und obwohl sich das Team der letzten Saison und das der diesjährigen Hinrunde große Mühe gegeben haben, garantiert nicht als Favorit gesehen zu werden, ist es gestern wieder soweit gewesen: Schalke stand schon vor dem Spiel als klarer Sieger fest.

Immerhin kam eine Mannschaft in die Arena, die nur zwei Punkte und so gut wie keine geschossenen Tore auf dem Konto hat, deren Verletztenliste länger ist, als die Strecke des Rosenmontagszuges in Köln und deren Vereinsführung gerade ein lächerliches Bild abgibt. Domenico Tedesco hat jedoch mehrmals laut und deutlich darauf hingewiesen, dass der FC nicht verdienter Maßen auf dem letzten Platz steht. Jeder FC-Fan weiß, wie viele Punkte z. B. wegen fragwürdiger Entscheidungen abhandengekommen sind.

Aufgrund der Tabellensituation und der des Derby Dancing der letzten Woche, ist die Ausgangslage wie folgt: Es finden 90 Minuten lang zwei „Meta-Spiele“ oder „Parallel-Spiele“ statt.

„Meta-Spiel 1“: „Von den Medien gehypter klarer Favorit“ vs. „Verletzter Boxer, mit dem Rücken an der Wand“.

„Meta-Spiel 2“: „Wer eine solche zweite Halbzeit wie in Dortmund spielt, kann jeden schlagen“ vs. „Auf Schalke hat der FC in den letzten Jahren immer gut ausgesehen.“

Das sind die beiden Spielfelder, auf denen der eigentliche Kampf ausgetragen wurde. Auf dem grünen Rasen macht S04 seine Sache erst sehr gut. Ironischerweise ist das das erste Spiel, in dem wir richtig guten Kombinationsfussball spielen. Schnell, überraschend, von guten Einzelleistungen getragen, mit Ansätzen einer Spielidee. Im Laufe der verschiedenen Phasen des Matches verlagert sich die Kreativität von der Mitte nach rechts nach links. Die Stürmer schießen schöne Tore, die das Ergebnis schöner Kombinationen sind. Zu Harit muss ich nicht viel mehr sagen, als das, was ich schon letzten Sonntag gesagt hatte. Lit!  Die Konsequenzen dieser Spielweise hießen gestern, dass auch mal Bälle verloren gehen. Die Mannschaft wird lernen, das zu dosieren. Einer, der mit Tempo & Dynamik umgehen kann, Goretzka, saß in der ersten Halbzeit auf der Bank. Der Knackpunkt für das Unentschieden sind für mich nicht überhastete Offensivbemühungen oder falsche Elfmeter gewesen. Sondern die verschlafenen 15 Minuten nach der Halbzeit. Ich neige dazu, diesen Zeitraum in Fußballspielen, die „königsblaue Viertelstunde“ zu nennen. Wir haben sie schon so oft verpennt, nicht wissend, wie man mit der Situation „knappe Führung nach der Pause“ umgehen soll.

Für mich ist das Glas mehr als Halbvoll, auch wenn uns die beiden Punkte, die wir gestern scheinbar verloren haben, eventuell später fehlen. Letztlich hat der FC einmal gefährlich auf’s Tor geschossen (Osako, in der ersten Halbzeit). So Spiele gibt es.

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

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