(k)eine Standortbestimmung gegen Gladbach

Morgen Abend spielt Schalke in Gladbach, wo wir traditionell ähnlich schlecht, wenn nicht sogar noch deutlich schlechter dastehen als zu Hause gegen Köln. Die Auswärtsbilanz in der Bundesliga liest sich mehr als miserabel: 7 Siegen und 9 Unentschieden stehen saftige 28 Niederlagen gegenüber. Zuletzt gewann man dort im Mai 2013. Julian Draxler traf zum 0:1 Endstand, Vorlage: Raffael.

Obwohl Gladbach uns mit einem Punkt Abstand in der Tabelle ziemlich im Nacken sitzt, verneinte Tedesco die Bedeutung des Spiels als Standortbestimmung. Kann ein Spiel zwischen dem Tabellendritten und Vierten überhaupt etwas anderes sein als eine Standortbestimmung?

Ja, und nein.

Natürlich ist es eine Standortbestimmung, wenn man gegen einen direkten Konkurrenten auf Augenhöhe in der Tabelle spielt. Insbesondere wenn man sich ansieht wer da noch so gegen wen am Wochenende spielt. Zwischen Platz 2 und Platz 8 wäre – zumindest rechnerisch – alles möglich, ein deutliches Abrutschen nach unten bei einer Niederlage sogar äußert wahrscheinlich.

Und da kommt dann die Mannschaft, die einen ähnlich guten Lauf hat wie wir, und dabei sogar die Bayern schlagen konnte. Wann kann man denn mal sagen : „Hier oben gehören wir hin!“, wenn nicht nach einem Sieg in Gladbach? Und wie deutlich wäre es im Gegensatz dazu, ohne Punkte nach Hause zu gehen, direkt quittiert mit Statistiken, dass Schalke nur gegen ein Team zwischen Platz 1 und 11(!) gewinnen konnte, und das war Rasenbumssport am ersten Spieltag.

Solch eine Konstellation sind ein Traum für jede Vorberichterstattung, ein gefundenes Fressen für Sportjournalisten und mit Sicherheit Thema vieler Gespräche auf der Arbeit und im Freundeskreis mit Anhängern anderer Vereine, die Schalke nur am Rand wahrnehmen. Ein echtes Highlight eben, und ein echter Gradmesser für beide Teams, ob sie denn „da oben“ wirklich hin gehören.

 

Man stelle sich diese Situation mal im Schalke der letzten Jahre vor, Unentschieden gegen den Tabellenletzten, Gladbach vor der Tür, Tabellenplatzierung steht auf dem Spiel: „Scheiße, das verlieren wir eh.“

Aber seit neustem ist das Gefühl ein anderes, zumindest wie ich es wahrnehme. Tedesco arbeitet ruhig mit der Mannschaft und lässt sich durch nichts aus der Bahn werfen, selbst ehlendig lange und tausendfach aufgewärmte Transferfragen zu Leon Goretzka – wo es, wenn man mal ehrlich ist, seit dem Sommer wirklich gar nichts neues zu berichten gibt – bringen keinerlei Unruhe in den Verein. Wir alle kennen das deutlich anders.

Genau darum geht es aktuell, der Trainer arbeitet mit dem Team und verbessert es, gut sichtbar sogar. Und wichtig dabei ist: jeder sieht, dass dort etwas entsteht. Niemand lässt sich wirklich aus der Ruhe bringen, auch nicht nach sportlichen Rückschlägen wie ein 2:2 gegen den sieglosen Tabellenletzten, nicht nach Spielen, in denen der Plan absolut gar nicht aufgeht wie gegen Hannover, und auch nicht, wenn alles gegen einen läuft und Dortmund im Minutentakt einnetzt.

Deshalb ist es eben keine Standortbestimmung, dieses Spiel am Samstagabend gegen den „Angstgegner“. Die Mannschaft geht ihren Weg, und hat bisher auch schon sehr gut gezeigt wozu sie in der Lage ist, allerdings auch woran es noch hapert. Wichtig ist, dass Trainer und Mannschaft wissen, wo sie stehen, woran es zu arbeiten gilt, und auf was man sich verlassen kann.

Tedesco hat offenbar eine gute Einschätzung dazu, in einem Interview auf transfermarkt.de antwortete er gestern auf die Frage, bei wie viel Prozent er denn seine Mannschaft gerade sehe mit: „65 bis 70 Prozent“.

 

Meinetwegen können wir gern am Ende der Saison anhand der Tabelle und einem Schalke bei hoffentlich 100% noch mal genauer unseren Standort bestimmen. Bis dahin ändert das Ergebnis des Spiels gegen Gladbach nur für 2-3 Spieltage den Tabellenplatz. Der weitere Weg ändert sich nicht, ob von Platz 8, oder Platz 2 aus. Wenngleich 3 Punkte in Gladbach den Weg sicher auch etwas angenehmer gestalten würden.

Glück auf!

Max

Max

Laptop-Trainer (ohne Trainerschein, aber mit Laptop).

Ist einer von diesen "Taktik-Liebhabern", die sich auch die langweiligsten Spiele schön reden. Trauert bis heute Ivan Rakitic hinterher und schaut - sofern Schalke nicht grade spielt - ab und zu gern Spiele des FC Arsenal.
Max

3 Kommentare zu “(k)eine Standortbestimmung gegen Gladbach

  1. Man merkt der Mannschaft und der Atmosphäre schon an, dass wir von den letzten vier Halbzeiten nur eine richtig gute gespielt haben. Jetzt sind wir aber da oben drin und wollen das eigentlich gar nicht sein. Es wäre Heidel und DT lieber, erst ganz am Ende da oben wie Phönix aus der Asche aufzutauchen. Das wird morgen ein genauso heißer Tanz wie gegen die Zecken. Das ist kein Spiel, für das man eine Prognose abgeben kann. Dafür ist auch M.-Gladbach zu unbeständig. Weissagen tue ich jedoch, dass wir mind. zwei Tore schießen müssen, um irgendwas mitzunehmen.

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  2. Mein allererstes Bundesliga-Spiel, das ich live im Stadion gesehen habe, war auf dem alten Bökelberg: März 1984, Gladbach-Bayern 3:0. KJG-Ausflug. Für die Bayern spielte u.a. ein gewisser Karl-Heinz Rummenigge, für Gladbach, trainiert von Jupp Heynckes, ein junger Spieler namens Lothar Matthäus. Ich war schon Schalke-Fan zu der Zeit, aber daher kommt es, dass ich Gladbach nicht ganz so scheiße finde, wie den Rest („Hoffentlich verliert Ihr alle!“, mit Dank an Hassan).

    Und das Spiel morgen ist für mich eine völlige Wundertüte. Ich lege mich nur fest, dass es kein blutarmes 0-0 wird.

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  3. „Tedesco hat offenbar eine gute Einschätzung dazu, in einem Interview auf transfermarkt.de antwortete er gestern auf die Frage, bei wie viel Prozent er denn seine Mannschaft gerade sehe mit: „65 bis 70 Prozent“.“

    Wenn wir erstmal bei 100% sind, sind wir auf Jahre unschlagbar! ;)))

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