Gastbeitrag aus Köln: Zur Situation des 1. FC Köln

Autor: Frank Thiele

Christian hat mich als bekennenden FC-Fan gebeten, zum kommenden FC-Spiel auf Schalke etwas beizutragen. Christian fragte mich ganz unvermittelt „Was fällt dir bei Schalke gegen FC ein?“ – Und ich antwortete: „Oliver Held“. – Das hat damals bei uns in Köln wohl wie ein Brenneisen gewirkt und ist seither unvergesslich. Viele von uns in Köln haben damals gesagt: „Uns bleibt aber auch nichts erspart!“ Keiner von uns dachte aber damals daran, dass der FC absteigt. Manche ahnten es, aber niemand wollte es glauben. Wir fühlten uns damals – im Gegensatz zu heute – unabsteigbar.

Im Gegensatz zu damals ist heute in Köln die Realität angekommen. Bemerkenswert viele Fans haben schon nach dem BVB-Spiel gesagt, „das wird nichts mehr“. Aber im Gegensatz zum Beispiel zu 2012 wird es beim tatsächlichen Abstieg keine brennenden Tribünen geben. Fast jeder bei uns sieht ein, dass Fehler gemacht worden sind, die eben nicht mehr zu beheben sind. Früher waren wir in der Gefühlslage vieler Fans und auch der lokalen Presse immer verhinderte Meisterschaftsanwärter und heute sind wir stets potentielle Zweitliga. Wir haben schon so viel zweite Liga in diesem Jahrtausend mitgemacht, dass niemand mehr ernsthaft „Nie mehr zweite Liga“ singen will.

Aber im Gegensatz zu früher wissen auch die meisten, dass wir beim FC jetzt viel, viel besser wirtschaftlich dastehen und vor allen Dingen wissen die meisten Fans heute, dass es in einem Verein letztendlich für den dauerhaften sportlichen Erfolg auf das richtige Wirtschaften ankommt.

In der Hinsicht haben wir unseren jetzigen Vereinsoberen nichts vorzuwerfen. Jörg Schmadtke hat das wahnwitzige Mitbieten nicht mitgemacht und Antony Modeste zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Aus China hört man nichts Weltbewegendes von ihm. Die im Rahmen der wirtschaftlichen Vernunft getätigten Zukäufe sind sämtlich nicht schlecht, sie erweisen sich gerade jetzt als Leistungsträger, siehe Guerassy, Handwerker, Merè und andere. Cordoba hat Potential. Die Zukäufe von Spielern sind immer Wetten mit immensem Risiko. Auch die viel gelobten Bayern (und gerade die in letzter Zeit) haben nichts weltbewegendes zugekauft, hingegen aber wahnwitzig viel Geld ausgegeben. (Ich sage nur Renato Sanches). Alle Zukäufe brauchen aber Zeit, und die hatten wir nach der Serie von teilweise unglücklichen und sogar ungerechten Niederlagen, einhergehend mit einer unfassbaren Verletzungsserie, einfach nicht.

Auf Schalke sah es die ersten sechs oder sieben Spieltage in der letzten Saison auch nicht viel besser aus, oder denkt an den BVB im vorletzten Jahr, damals unter Kloppo. Pech und Verletzte sind keine gute Mischung, nur bei uns beim FC dauert die Phase einfach zu lange.

Es hilft auch nichts, wenn wir, wie es jetzt absehbar ist, nach dem womöglich verlorenen Schalke-Spiel den Trainer auswechseln. Der Stöger Peter hat bei uns Unfassbares geleistet, d.h. mit quasi null Geld den Wiederaufstieg geschafft und die Mannschaft zwei Jahre lang sehr gut in der Liga platziert. Stöger hat den Fehler gemacht, nicht vehement die Spieler seiner Wahl bei Schmadtke einzufordern und unser Vereinsvorstand hat Stöger zum Vorteil von Schmadtke nicht genügend protegiert, also auf das falsche Pferd gesetzt. Dies wurde den Herren bei der (für ihn sehr lukrativen) Flucht von Schmadtke blitzartig gewärtig. Stöger sollte nun allein mit Spielern arbeiten, die Schmadtke gewollt hat. Dass er das auch gemacht hat und zwar nach bestem Wissen und Gewissen, ist ihm hoch anzurechnen. Dennoch wird er nach dem Spiel auf Schalke gehen müssen. So sind nun mal die Gesetze der Branche und wirtschaftliche Vernunft hat ihre allzu menschlichen Grenzen.

Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

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