Derby-Woche: Wie ich mal als Schiri das Derby gewann

Vor dem Derby nächsten Samstag wirft Mitbewohner Joe, der alte Sack, einen Blick zurück und erinnert sich an Zugfahrten, Hools, ein Kirchweihfest und wie sich so ein Derbysieg anfühlte. Damals.

Die Bundesliga. Unendlicher Spaß. Wir schrieben das Jahr 1992, genauer gesagt den 22. August. Zwei Schalker, mein Kumpel Christoph und ich, machten sich auf den Weg  von Sundern im schönen Sauerland in die verbotene Stadt, um dorthin zu gehen, wo kein Blauer hinwill. Es sei denn, es ist Auswärtsderby.

Zur Erinnerung: Für den S04 begann das zweite Jahr in der Bundeliga nach dem Wiederaufstieg 1991, der BVB unter Trainer Ottmar Hitzfeld war im Sommer Vizemeister geworden, nachdem irgendwie 04 Minuten zum Titel gefehlt hatten. Neuer Trainer auf Schalke war Udo Lattek, der eine schicke Mütze trug  und mit dem damaligen Präsidenten Günter Eichberg lustige Klauseln vereinbart hatte, mit so was wie Meister- und Sonderprämien, zum Beispiel für den Fall, dass S04 in der Tabelle vor dem Erzrivalen landete.

Typisch Schalke: Große Erwartungen

Das Derby stieg am zweiten Spieltag. Wie es sich für Schalke gehört, war man vor Saisonbeginn voller Optimismus. Meistertrainer Lattek auf Schalke, zwei Derbys zum Auftakt auf dem Spielplan, das erste gegen Wattenscheid 09 zuhause – also war klar, dass unsere Blauen mit 2:0 Punkten (die Drei-Punkte-Regel gab’s noch nicht) und breiter Bust nach Lüdenscheid fahren würden. Das lief schalkig-„gut“, gegen Wattenscheid setzte es im Heimspiel am ersten Spieltag ein 3:4, nach zweimaliger Führung.

Egal, auf nach Lüdenscheid. Karten? Holen wir uns vor Ort am Stadion, kein Problem, sagte mein Kumpel.

Im Zug Richtung Ruhrgebiet, so ’nem alten Silberling, machten wir die Bekanntschaft zweier Hooligans, ein Blauer und einer von den anderen. Sie unterhielten sich über „Schlachten“ ihrer Hool-Vergangenheit wie Frontsoldaten. Wir lauschten und staunten, halb entsetzt, halb fasziniert. Die Hools verabredeten sich noch im Zug ganz freundschaftlich für das „Spiel“ nach dem Spiel. Ohne uns.

Haltestelle Westfalenstadion, ist ja allseits bekannt und der Empfang war auch damals schon sehr „gastfreundlich“. Wir schafften es dennoch unversehrt Richtung Nordtribüne, wo wir weitere Blaue trafen. Bloß nicht mehr allein oder nur zu Zweit unterwegs sein.

Wie reinkommen?

Karten, genau, da war was. Einen weiteren Schalker kennengelernt, der Jugendschiri war und deswegen kostenlose Schiri-Karten bekam. Natürlich eigentlich nur eine für sich selbst, aber wie es der Zufall wollte, waren wir drei alle ungefähr gleich groß, gleich alt, hatten ungefähr dieselbe Erscheinung, zumindest, wenn wir alle drei seine schwarze Lederjacke und seine Schalke-Mütze trugen. Also wir drei mit einem Schiri-Ausweis drei Mal nacheinander durch die Spezialkasse für die Schiri-Karten, in umsichtig geplanten Zeitabständen, und wir hatten unsere kostenlosen Derbytickets, zu Füßen der Nordtribüne, direkt hinter dem Tor. Nach mE gibt es diesen Bereich nach all den Umbauten, mit denen man dieses Stadion architektonisch hingerichtet umgestaltet hat, inzwischen nicht mehr.

Da stand ich also. Ich weiß, nicht als Schiri auf dem Platz, aber irgendwie doch als Schiri im Stadion. Und wurde Zeuge des 2:0-Sieges, Torschützen Günter Schlipper und Bent Christensen, der erste Auswärtsderbysieg seit 20 oder mehr Jahren. Wir konnten unser Glück kaum fassen, ach was, überhaupt nicht fassen. Ein Sieg im Auswärtsderby – kann es noch besser werden? Ich war 18, hatte Heimniederlagen in der 2. Liga gegen Waldhof Mannheim im strömenden Regen im Parkstadion gesehen und generell war es Ende der 80er und Anfang der 90er kein Spaß Schalker zu sein, umso unbegreiflicher und unglaublicher war dieser Moment, wir quasi im königsblauen Himmel, von dem die August-Sonne schien.

Und man kann mir an dem Tag keine einzige Fehlentscheidung vorwerfen.

Stimmt nicht, nach unserer triumphialen Rückkehr nach Sundern hätte ich vielleicht nicht mehr aufs Kirchweihfest gehen und mich vor einem dorfbekannten B*B-Fan und Schlägertypen nicht nur siegestrunken aufbauen sollen – dank der Intervention seiner doch eher friedlich gestimmten Kumpels ging aber auch das gut aus. Danach war Tages-Abpfiff.

Joe

Joe

Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
Joe

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