Die Kommune liest (2): Wir Wochenendrebellen

Der Trend geht zum Zweitbuch, so Mitbewohner Chris, auch hier bei uns. Aus dem Regal nehmen wir heute „Wir Wochenendrebellen„.

 

Foto: Sabrina Nagel, www.siesah.de

Vater und Sohn suchen für den Sohn einen Verein, und zu diesem Zweck reisen der Vater Marco und sein Sohn Jason seit 2011 durch (nicht nur) Deutschlands Fußballstadien von Bundesliga bis Dritter Liga. Als „Wochenendrebellen“. Das klingt erst mal nicht so ungewöhnlich. Ist es aber doch.

Jason ist Jahrgang 2005 und Asperger-Autist. Diese Bezeichung ruft zunächst Vorurteile und falsche Vorstellungen hervor. Es hilft, wenn man sich als Leser dies bewusst macht und sich dennoch möglichst unbefangen auf die Reisen von „Papsi“ und Sohn mitnehmen lässt. Und nicht nur auf die Reisen, sondern in das alltägliche Leben der vierköpfigen Familie mit einem Kind, das nach einer „besonderen Logik“ lebt.

Die Schilderungen der Stadion-Touren sind teilweise sehr großartig. Wer kommt schon auf die Idee, sich bei „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ mitten in der Nord hinzusetzen? Weil, so Jason, er ja kein Schalker ist, er sucht ja noch einen Verein, und da kann er ja nicht (auf)stehen.

Foto: wochenendrebell.de

Oft steht bei den Touren gar nicht das Spiel im Vordergrund, sondern das Drumherum, mit all seinen schönen und irren Seiten. Jason ist ein kluger und präziser Beobachter.

Die Beschreibungen des Familienlebens und der Reisen sind sehr offen, es wird nichts geschönt, einfach beschrieben, wie das Leben der Familie mit Jasons Behinderung, die er nicht als solche empfindet, sich darstellt. Für die Frauen der Familie, die jüngere Schwester und insbesondere die Ehefrau und Mutter empfinde ich tiefe Bewunderung angesichts dessen, was sie zu bewältigen haben. „Das kann doch nicht wahr sein, wie der Typ sich verhält und was die Familie mitmachen muss“ – dieser Gedanke kam mir öfter.

Aber das ist der Reflex eines „Normalen“. Nur was ist normal, bin ich selbst „normal“, welche Verhaltensweisen sind gesellschaftlich toleriert, wer bestimmt das? Die Lektüre des Buches bringt einen dazu, über solche Fragen nachzudenken.

Es ist ausdrücklich kein Ratgeber-Buch, sondern eine Lebens- und Reisebeschreibung. Eine Reise, die vielleicht niemals endet, denn einen Lieblingsverein hat Jason noch nicht gefunden. Vielleicht bleiben die Beiden einfach Groundhopper. Warum auch nicht. Keep on hopping, guys!

Wer noch mehr über „Papsi“ und Jason wissen möchte, neben dem Buch gibt es eine  Blog.

Foto: Sabrina Nagel, www.siesah.de

Mirco von Juterczenka: Wir Wochenendrebellen. Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa

Joe

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Schalker, Berliner, Sauerländer, Rechtsanwalt Jahrgang 73, und nun auch noch Blogger und Kommmunen-Mitgründer.
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