10. Spieltag: FC Schalke 04 – VfL Wolfsburg 1:1. Unser Risikomanagement Senf zum Spiel.

Schalke verspielt einen sicher geglaubten Sieg praktisch in der letzten Sekunde und muss sich mit einem Punkt statt drei zufrieden geben. Während einem Burgstaller zwar weiterhin vieles gelingt, hat Schalke weiterhin damit zu kämpfen vor dem gegnerischen Tor nicht zwingend genug zu sein. Auch gegen Wolfsburg kam man zwar wieder gut bis vor den Strafraum, konnte aber wieder die Überlegenheit nicht in Tore ummünzen.

„Wer sie vorn nicht macht…“ war sicher für viele das Fazit des Spiels, und nahe liegend ist auch die Frage warum Schalke sich denn dafür entschied nicht mehr für ein zweites Tor zu investieren. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, wenn auch das Ergebnis etwas anderes sagt. Wie ich zu dem Schluss komme? Lasst mich erklären:

Schalke ist sich seinen Stärken und Schwächen bewusst

Während Schalke im ersten Durchgang das gleiche Ballbesitz Spiel aufzog das zuletzt gegen Mainz, Hertha und Wiesbaden zum Erfolg führte, überlies man in der zweiten Hälfte verstärkt dem VfL den Ball, bis man sich in den letzten 20 Minuten vollends darauf konzentrierte zu verteidigen und auf Konter zu lauern. Ich habe einige Kommentare dazu gelesen dass das ja typisch Schalke sei, nach einer Führung das Spielen einzustellen und den folgerichtigen Ausgleich zu kassieren. Das war hier aber absolut nicht der Fall. Schalke lies sich nicht aufgrund von Überheblichkeiten das Heft aus der Hand nehmen, sondern ich bin mir sehr sicher dass es eine ganz bewusste Entscheidung war, und es war die genau richtige Entscheidung.

Schalkes Stärke ist, neben Standardsituationen, die Verteidigung. Nicht nur, dass man individuell sehr gut aufgestellt ist, auch versteht die gesamte Mannschaft es äußerst gut, den Gegner vom Tor weg zu halten. Kein Torschuss der Hertha in der ersten Hälfte vor zwei Wochen, deren ganze zwei über das gesamte Spiel seitens Wolfsburg sind dafür ein klarer Beleg (7 Torschüsse stehen in den Statistiken, 2 davon gingen tatsächlich auf das Tor).

Wolfsburg hingegen hat vorn ein ähnliches Problem wie Schalke: der Abschluss. Beinahe alle Tore wurden entweder nach Standards, oder nach hohen Hereingaben (meist wenn sowohl Flankengeber, als auch Stürmer im Strafraum vergleichsweise viel Platz hatten) erzielt. Viel Stückwerk, Vorteile über individuelle Klasse, wir kennen das ja zu Genüge aus den letzten 10 Jahren auf Schalke.

Risikomanagement auf dem Rasen

Die Situation Mitte der zweiten Halbzeit war also die folgende: da spielen zwei Mannschaften die beide grundsätzlich ganz gut verteidigen, aber vor dem gegnerischen Abwehrriegel meist ideenlos sind. Bis auf die Elfmeter und je einen Fernschuss auf beiden Seiten gab es auch keine wirklich gute Torchance im gesamten Spiel. Schalke führt jedoch 1:0, Wolfsburg muss also handeln.

Der Plan, Wolfsburg den Ball überlassen, wurde in der Mitte der zweiten Halbzeit umgesetzt (Karsten schrieb dazu auch noch detaillierter auf halbfeldflanke.de). Warum? Nun, die Frage, die man sich stellen muss ist nicht: „Wie wahrscheinlich schießt Schalke hier noch ein Tor, wenn wir offensiver spielen?“ sondern: „Wie viel wahrscheinlicher schießt Wolfsburg noch ein Tor, gegenüber wie viel wahrscheinlicher schießt Schalke ein Tor“.

Das mag sich jetzt zwar im ersten Moment blöd und sehr ähnlich anhören, ist es aber nicht. Tedesco wollte mit der Umstellung mit der eigenen Stärke (Strafraumverteidigung), die des Gegners (Flanken) auffangen. Hätte man offensiv gewechselt und versucht das zweite Tor zu erzwingen, hätte Wolfsburg sehr wahrscheinlich mehr Platz gehabt ihre eigenen Stärken zu nutzen. Der Spielverlauf bis dahin lässt den Schluss zu, dass Schalke noch deutlich mehr Torchance benötigt hätte um die Führung auszubauen. Statt also dem Gegner in die Karten zu spielen, ohne selbst davon einen Vorteil zu haben, versuchte man das Gegenteil: dem Gegner seine Stärken zu rauben, ohne davon einen Nachteil zu haben.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Ich denke, es war die richtige Entscheidung. Natürlich sagt das Ergebnis etwas anderes. Ich bin mir jedoch sicher, am Samstag nicht „alte Mechanismen“ gesehen zu haben, die Schalke das Spiel abschenken ließen, sondern einen gut durchdachten Plan. Einen Plan, der mir zeigt, dass dort an der Seitenlinie Leute stehen, die wissen was sie tun und warum sie es tun. Das ist weit weg von alten Mechanismen, das lässt mich positiv auf die nächsten Spiele blicken, trotz des bitteren Ausgleichs und der leisen Stimme im Hinterkopf „ach, hätten die doch noch eins mehr geschossen…“

Max

Max

Laptop-Trainer (ohne Trainerschein, aber mit Laptop).

Ist einer von diesen "Taktik-Liebhabern", die sich auch die langweiligsten Spiele schön reden. Trauert bis heute Ivan Rakitic hinterher und schaut - sofern Schalke nicht grade spielt - ab und zu gern Spiele des FC Arsenal.
Max

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