Was tut so weh? Zur Causa Höwedes.

 

Tatsächlich:  Benedikt Höwedes verlässt – zumindest vorerst – den FC Schalke 04. Es hätte so schön sein können, mit einer gut gelaufenen Vorbereitung, wenig Verletzten, einem erfolgreichen Spiel gegen den Vizemeister Leipzig. Nun das. Mitbewohner Joe kommentiert: „Das Thema wird zu hoch gehängt“. Ich teile die Meinung. Aber das wird weite Teile der Schalker-Fanwelt nicht von Unmutsäußerungen abhalten.

Was tut so weh?

Die Mannschaft hat in der Tat einen erfahrenen, soliden Abwehrspieler verloren. Kantig, bissig, lauf- und kampfstark. Er soll übrigens nicht ersetzt werden.

Der Verein hat eine Identifikationsfigur verloren. Ein Gesicht, mit dem sich Fans und Umfeld im Positiven verbanden: „Einer von uns“. Das kann kurzfristig nicht ersetzt werden.

Noch viel mehr schmerzt die Tatsache, dass Domenico Tedesco richtig gehandelt hat. „Richtig“ meint hier „prinzipientreu“, nicht gemessen am sportlichen Erfolg der Maßnahme. Den kann man erst in der Zukunft beurteilen. In der „Amtszeit“ von Benedikt Höwedes haben wir keine Titel gewonnen. In der „Amtszeit“ von Benedikt Höwedes hat sich das Team immer wieder (und zunehmend) durch lasche Einstellung und fehlenden Teamgeist um den eigenen Erfolg gebracht. Exemplarisch sei die letzte Saison genannt, bei der ein starkes „Wir wollen in die Europa-League“ nicht erkennbar war. Wenn man also argumentiert, dass BH als Kapitän wichtig war, muss man konstatieren, dass er seinen Job vielleicht einfach nicht richtig gut gemacht hat (Man muss übrigens nicht überzeugt sein, dass das Amt noch eine große Bedeutung hat, meint Karsten hier.)

Leider auch wahr ist die Tatsache, dass Höwedes‘ Spiel nicht mehr zeitgemäß ist. Seine fussballerischen Fähigkeiten sind begrenzt, lange Pässe und gute Flanken sind außerhalb seines Repertoires. Es ist konsequent, dass der Trainer das hinterfragt, unabhängig von der Tradition, die – bekanntlich – keine Tore schießt. Dazu kommt, dass die wenigsten  seine Krankenakte kennen (ich auch nicht). Das Management und der Trainer schon.

Mir tut das auch weh. Das Bild, mit dem ich Bene immer verbinden werde, ist der hochrote Kopf, der fast aggressive Blick in der Sekunde vor dem Kopfstoß im WM-Finale gegen Argentinien. Niemandem hätte ich das Tor mehr gegönnt als ihm. Der Titel wäre mir egal gewesen. Ich war stolz auf einen Schalker. Hätte er getroffen, hätte ich wahrscheinlich geheult vor Freude. Danke, Bene, dafür.

Ich hoffe für Benedikt Höwedes, dass es gute Gründe für sein Verhalten und seine Entscheidung gibt. Von hier sieht es nicht so aus.

 

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Christian

Christian

Nach der aktiven Karriere (Champions League-Teilnahme mit den Schäl Sick Rastellis) erfolgloser Demotivationstrainer an ostdeutschen Theatern. Jetzt Vertreter (u. a. von gebrauchten Interessen). Windows 98-Experte. Vater. Genosse. Ostfriese. Schalker. Kommunen-Koch.
Christian

7 Kommentare zu “Was tut so weh? Zur Causa Höwedes.

    1. Vielen Dank. Ich habe ein wenig Bammel, dass das Thema eine Abwärtsspirale anstösst, wenn es sportlich haken sollte (z. B. nächstes Heimspiel). Die ganze Unsicherheit, die gegenüber einem so jungen Trainer da ist, käme dann als Ablehnung raus.

      Antworten

      1. Klar, die Gefahr besteht jetzt natürlich. Insbesondere BLÖD und Co werden das Tedesco gerne über die Nase reiben, Gauß und solange es nicht laufen sollte. Ich hoffe, wir Fans lassen uns dann vielleicht mal nicht von denen hysterisch machen. So viel Ruhe wie letzte Saison wäre schön. Ich habe aber meine Zweifel. Hoffen wir einfach, dass die Mannschaft jetzt mal zeigt, dass sie was drauf hat. 😉

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