Schalke auf dem digitalem Rasen – Ein Plädoyer für den eSport

Vergangene Woche schrieb uns ein Redakteur der Zeitung „Neues Deutschland“ an, was wir – oder besser gesagt – was Schalker im Allgemeinen denn über das Thema eSports denken. Anlass war ein Vortrag von Alexander Jobst auf einem Kongress am 21.8., einen Tag vor der Gamescom, der weltweit größten Videospiel Messe, zum Thema: „Wie der FC Schalke 04 mit eSport langfristig Geld verdienen will“. (Den Artikel findet ihr übrigens hier)

Was mir, während ich einen groben Überblick und meine Meinung dazu kund gab, aber wieder einmal deutlich klar wurde: eSports wird weiterhin in großen Teilen der Gesellschaft im besten Fall belächelt, oftmals eher als sinnloser Unfug völlig ignoriert. Besonders Clemens Tönnies Worte auf der letzten Mitgliederversammlung gingen mir durch den Kopf, sinngemäß: „Seit Alex mir sagte, dass Schalke damit Geld verdient, find ich das ganz toll“. Nach Abschluss der Versammlung wurde das laufende Schalker League of Legends Spiel auf dem Video Würfel gezeigt. Die Intention den Mitgliedern das Thema etwas näher zu bringen, war dabei sicher gut gemeint, angefühlt hat es sich eher wie „Rausschmeißer-Musik“ morgens um 6:00 in der Disco.

Ich denke eSports hat mehr verdient, auf Schalke, aber auch in der Gesellschaft.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es auch wirklich schön wenn Schalke Einnahmen generiert, die nicht direkt aus Märkten stammen, in denen Menschenrechte kein Grundsatz, sondern scheinbar eher lästig sind. Aber man stelle sich mal vor, die Schalker Handball-, Basketball- oder Leichtathletikabteilung würde vom Aufsichtsratsvorsitzenden öffentlich so auf die Wirtschaftlichkeit reduziert.

„Aber vor dem Computer sitzen ist ja auch kein Sport!“, möchten mir jetzt sicher einige entgegnen. Ja. Nein. Mag sein. Darum geht es aber auch gar nicht. Worum es geht ist: eSports ist kein Trend, den man weil es grade modern ist mal mitmacht. eSports ist seit 20 Jahren wachsender Bestandteil der Gesellschaft, langsam wachsend, aber sicher. Ich bin mir absolut sicher dass jeder, der diesen Beitrag liest, Schnittmengen mit Computerspielen hat. Entweder direkt, weil man selbst mal den aktuellsten FIFA Teil, die Sims, oder einfach Candy Crush auf Facebook spielt, oder weil man Kinder hat, für die Computerspiele schon ein fester Teil der Lebensrealität sind. Laut einer Datenerhebung der Gesellschaft für Konsumforschung, spielt sogar mittlerweile jeder zweite Deutsche  Computerspiele.

Computerspiele als Wettkampf

Fast alle spielen also, in irgendeiner Form. Und dass viele Computerspiele natürlich auch einen Wettkampfcharakter haben, ist klar. In jedem Spiel, ob es um Mensch Ärger dich nicht, Fußball, oder um FIFA auf der Playstation geht, es geht immer um die Frage: Wer gewinnt? Dreh- und Angelpunkt ist immer der Wettkampf. Und im Wettkampf selbst, stehen Computerspiele ihren Pendants in freier Natur in nichts nach. Gerade League of Legends zeigt, mit der Mischung aus individuellem Können, einer guten Taktik und dem Zusammenspiel der Spieler, warum eSports in einigen Ländern als „echter Sport“ verstanden wird.

Heute (24.8.) um 14:00 spielt Schalkes League of Legends Team um den Aufstieg in die höchste europäische Liga, die League of Legends Championship Series. Gespielt wird dabei im Modus „Best of 5“, heißt: Wer als erster 3 Runden gewinnt, entscheidet die Begegnung für sich, es werden also maximal 5 Runden gespielt. Eine Begegnung über die volle Distanz kann schnell über 5 Stunden dauern, dabei gibt es nur kurze Pausen zwischen den einzelnen Spielen. Über 5 Stunden muss also höchste Konzentration und Präzision herrschen. Das gemütliche Spielen am Computer zur Entspannung ist von dem in etwa so weit entfernt, wie das Torwandschießen im Sportstudio, vom Championsleague Finale.

Was ich mit all dem sagen möchte: Lieber Clemens, liebe Leser, wenn es das nächste Mal um eSports geht, denkt bitte nicht an das Klischee der pickeligen Nerds im Keller. Respektiert den Wettkampf, respektiert das Können und die Hingabe der Spieler. Ihr Leben sieht ähnlich aus wie das der Profi-Fußballspieler, nur eben, ohne die Millionengehälter. Und vor allem, wenn ihr euch das nächste mal wundert, warum Übertragungen von Computerspielen von Millionen Fans gesehen werden, denkt an diesen schönen Comic von loadingartist (FacebookTwitter):

Max

Max

Laptop-Trainer (ohne Trainerschein, aber mit Laptop).

Ist einer von diesen "Taktik-Liebhabern", die sich auch die langweiligsten Spiele schön reden. Trauert bis heute Ivan Rakitic hinterher und schaut - sofern Schalke nicht grade spielt - ab und zu gern Spiele des FC Arsenal.
Max

8 Kommentare zu “Schalke auf dem digitalem Rasen – Ein Plädoyer für den eSport

  1. @Ich denke eSports hat mehr verdient, auf Schalke, aber auch in der Gesellschaft.

    Darüber darf man ja Gott sei Dank geteilter Meinung sein.
    Ich kann diesem „Sport“? überhaupt nichts abgewinnen.

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    1. Natürlich darf man da geteilter Meinung sein. Wie gesagt, schlussendlich ist es ein Wettkampf, der sehr spannend sein kann, wenn man sich dafür interessiert. Wenn man keinen Spaß an Formel 1 oder Boxen hat, kann es noch so ein großes Spektakel sein, dann ist es auch einfach langweilig.

      Was mir persönlich nur fehlt, ist die Anerkennung der Leistung, und der Fans. Oft liest man zwischen den Zeilen Meinungen wie: „bisschen am Computer spielen kann ja wohl jeder!“
      Ja, aber nicht professionell.

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  2. Ich bin mittlerweile richtiger Fan unserer LoL Truppe geworden. Die Spiele sind total spannend und kleinste Fehler können ganze Matches entscheiden. Taktisch gesehen ist das sehr komplex. Mir macht es richtig spaß die Spiele anzuschauen. Besonders weil man dem S04 (unserem Verein) die Daumen drücken kann. Selber spiele ich gar kein LoL (mehr).

    Dieses Jahr in der Challenger Series wurden bereits Paris Saint Germain und die Dosentypen geschlagen. Ok ok. Letzten Samstag war natürlich noch geiler als unsere Jungs „Rasenbums“ weggehauen haben, aber ich habe mich im Summer Split total drüber gefreut.
    Richtig Geil ist auch das man sich alle Spiele live auf Twitch.tv anschauen kann (bzw. sogar im Studio). Mit richtig guten Kommentartoren und Taktikanalysen nach dem Spiel. Alles Kostenlos.
    Klar muss man die Spielmechanik ein wenig verstehen um einen Zugang zu bekommen und es ist sicherlich nicht für Jedermann. Mir macht es (wie oben schon erwähnt) unheimlich Spaß die Spiele zu verfolgen.

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    1. Schau auch mittlerweile jedes Spiel, obwohl ich mit LoL überhaupt gar nix am Hut hatte. Hab es sogar eher gehasst, damals als Dota noch eine Funmap in Warcraft 3 war, hat die Community es Einsteigern schon unfassbar schwer gemacht. Wusstest du nicht die absolut optimale Itemkombination, warst du schon der größte Noob aller Zeiten.
      Hat sich für mich dann sehr auf alle diese Spiele übertragen.

      Mittlerweile gehts mir aber wie dir, die Matches sind wirklich spannend, alles live, alles frei verfügbar, was will man als Fan mehr.

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      1. … das genau meine ich.
        Für mich nicht nachvollziehbar, wie man Leuten beim Spiel von
        Shooterspielen wie Warcraft (z.B.) zuschauen mag und das noch als „Sport“ zu bezeichnen.

      2. Ehhhm WahrerBaresi. Schau dir doch mal bitte denn Cartoon an.
        Wenn du selber mal solche Spiele gespielt hättest, wüsstest du welche Übersicht man bei solchen Spielen braucht. Die Reaktionsfähigkeit! Hand-Augen-Koordination. Konzentrationsfähigkeit! DAS IST SPORT! Denksport! Und es kann wahrlich nicht jeder.
        Weisst du wie dein Herz anfängt zu pumpen in besonders kniffligen Spielmomenten? Adrenalinausstoß?
        Was meinst du warum Computerspiele so beliebt sind?
        Ich bin mir sicher das du kein Fussballgott bist und trotzdem schaust du wahrscheinlich jedes Wochenende Fussball.
        Exakt die selbe Argumentation!

  3. Schalke ist zurück in der EU LCS. Nach der 3:2 Niederlage gestern haben wir heute 3:0 gegen NiP gewonnen. Gestern war echt knapp. Heute waren wir das durchweg bessere Team. Das erste Spiel war mega spannend. Sah kurz so aus als ob wir verlieren würden und dann ein riesen Comeback nach einem Teamfight. Echt der Hammer.

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