Die einzige Chance – Argumente für die China-Reise

Die China Reise am Beginn der Saison ist kein Fehler, sondern genau der Weg, den Schalke gehen muss.

Das Team wird nicht dadurch schlechter oder nicht gut genug Trainieren, nur weil man sich eine Woche in einem Umfeld befindet, in der das Klima nicht optimal ist.

Das Klima in China war sehr intensiv. Aber wir haben es angenommen und das Beste daraus gemacht.” (Markus Weinzierl, 9.7.2016, nach der Rückkehr aus China)

Die Vorbereitung dauert 6 Wochen vom ersten Trainingstag im Juli, bis zum ersten Pflichtspiel im August. Massig Zeit also, genug für die Fitness zu tun, immerhin haben alle Spieler auch über die Sommerpause Trainingsprogramme, die sie absolvieren. Zusätzlich besteht bei schlechtem Wetter, dass mir nicht erlaubt hoch intensives Ausdauertraining zu absolvieren, immer die Möglichkeit in anderen Bereichen zu Arbeiten: Taktik, Technik, Theorie oder Teambuilding.

Eine einwöchige Reise, in der das Marketing eher im Vordergrund steht als die sportliche Vorbereitung, also eine Dauer von ⅙ der Vorbereitung, in dem die Mannschaft körperlich nicht 100% geben kann, kann keine Ausrede für ein Defizit in irgendeinem relevanten Bereich sein.

Aber genug zum Sportlichen, es ist ja, trotz Testspielen gegen Besiktas Istanbul oder Inter Mailand, keine Reise mit sportlichem Fokus, sondern es geht um:

Die finanziellen Aspekte

Dass Schalke ordentlich Geld in Asien macht, ist kein Geheimnis. Sponsorendeals nicht nur mit Huawai und Hisense, trieben die Sponsoring Einnahmen im letzten Jahr auf 76 Mio €. Aber Schalke ist ja auch nicht nur für sich, sondern auch für die Bundesliga unterwegs. Die DFL verspricht sich von den Asienreisen der Vereine natürlich eine Steigerung der Einnahmen der Auslandsvermarktung ihrer Rechte. Für die Saison 17/18 werden knapp 1,2 Milliarden € (!) Einnahmen aus der Rechtevermarktung an die Clubs der ersten und zweiten Bundesliga ausgeschüttet. Nur (!) 200 Mio € davon stammen aus der Auslandsvermarktung.

Man muss kein Alexander Jobst sein um zu realisieren, dass bei ca 4,4 Milliarden Bewohnern des asiatischen Kontinents sicher auch noch ein paar mehr Leute für den einen oder anderen Bundesligaverein zu begeistern sind.

Der Anteil den S04 an diesem Milliardenkuchen hat sind übrigens ca 77 Millionen €. Das klingt im Vergleich zum 1,2 Milliarden € natürlich wenig, aber auf die Vereinseinnahmen gesehen sieht das ganz anders aus:

Sponsoring: 76 Mio € jährl. (2016)

Mediale Verwertung: 77 Mio € jährl. (ab 17/18)

Spielbetrieb & Veranstaltungen: 31 Mio € jährl. (2016)

Merchandising: 15 Mio € jährl. (2016)

Catering: 11 Mio € jährl. (2016)

Fußball spielen, das Stadion vermieten, Trikots und Bier verkaufen macht mit ~42 Mio € Einnahmen in etwa nur ein Drittel von dem aus, was Schalke von extern zugeschossen bekommt. Das Geld liegt also nicht direkt im Sport oder auf der Stadiontheke, sondern bei denen, die mit Schalke und der Bundesliga werben, um selbst Geld zu machen.

Klar gehören dort auch die heimischen Sponsoren dazu, aber am Verhältnis (1 Mrd € mediale Rechte inländisch gegenüber 200 Mio € international) zeigt sich deutlich wo in Zukunft noch etwas mehr heraus zu holen ist.

Ein eingetragener Verein dieser Größe, wie Schalke es ist,  trägt sich wirtschaftlich einfach nicht ausschließlich selbst, und ist immer auf Geld anderer angewiesen. Das Werben für sich und für die Bundesliga ist der einzige Weg sich nicht direkt an Investoren zu verkaufen, wie es mittlerweile fast alle anderen Bundesligisten (außer Freiburg und Mainz) bereits getan haben.

Es geht also nicht darum, ob man eventuell mal kurz weniger trainiert, sondern darum ob man im Konzert der AGs und GmbHs überhaupt noch mitspielen kann, oder hofft mit einer Woche Ausdauerläufen auf Helgoland statt Hongkong etwas reißen zu können.

 

Christians Sichtweise zum Thema findet ihr übrigens hier.

Max

Max

Laptop-Trainer (ohne Trainerschein, aber mit Laptop).

Ist einer von diesen "Taktik-Liebhabern", die sich auch die langweiligsten Spiele schön reden. Trauert bis heute Ivan Rakitic hinterher und schaut - sofern Schalke nicht grade spielt - ab und zu gern Spiele des FC Arsenal.
Max

16 Kommentare zu “Die einzige Chance – Argumente für die China-Reise

  1. Huawei ist seit dem 01.07.2016 kein Sponsor mehr. Hisense hat die Partnerschaft ebenfalls beendet.

    Eine solche Promotour mag wichtig sein, dann muss man aber auch wieder Sponsoren dieser Größenordnung finden. Auf nationaler Ebene scheinen die großen Stücke des Kuchens vergeben zu sein.

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      1. Hatte gerade schon mit Karsten nachgeschaut, in der Übersicht der Ansprechpartner tauchen beide noch auf, in der generellen Übersicht oben im Menü nicht, daher kann ich nicht genau sagen was mit den beiden aktuell noch ist. Aber, selbst wenn die beiden nicht mehr da wären: bleibt immer noch Kumho Tire mit Sitz in Südkorea.
        Ich bin mir auch sehr sicher dass auch wieder neue Namen aus dem asiatischen Markt dazu kommen, wie du schon sagst: der nationale Markt ist ziemlich komplett vermarktet.

      2. Ja, der deutsche (und europäische und nordamerikanische) Markt scheint sportmarketingtechnisch schon weitestgehend aufgeteilt.
        Und das wenige, was noch machbar ist, scheint Jobst schon gemacht zu haben: Zum Beispiel der Deal mit Umbro (aus England)
        oder der neue Ärmelsponsor (der dank mit-Chip-in-der-Arena-bezahlen und der somit höheren Werbewirkung sicherlich einiges mehr blechen muss, als vergleichbare Sponsoren anderer Vereine)

        Und man muss ja nicht so tun als ob China der einzige neue Markt ist, der zu erobern versucht wird:
        Das Esport-Engagement
        oder das Schalke seit kurzem auf Dugout vertreten ist.

        Nachdem alles andere gefühlt schon versucht und gemacht wurde, sollen sie ruhig auch in China ihr Glück versuchen!

    1. Ah, ja an den Artikel und die Aussage über Hisense erinner ich mich.

      Zu Huawai: finde aktuell auch nur Artikel aus 2016, dass man verlängern möchte. Ursprünglich war Huawai Premium Partner, seit 2014 mit einem Vertrag über 2 Jahre.

      Nun gut, die Zahlen wurden der Jahresbilanz für 2016 entnommen, in der Zeit waren beide also tatsächlich noch relevant.

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  2. Huawei engagiert sich derzeit wohl mehr in Südamerika. Ärmelsponsor bei Boca Juniors und Trikotsponsor bei Club America.

    Bei Boca wollte Huawei auch die Rechte am Stadionnamen, das scheiterte an Fanprotesten.

    Ich bin mir sicher, dass Huawei bei Schalke 04 seit Mitte 2016 nicht mehr aktiv ist. Sie sind noch Sponsor des Zoom Gelsenkirchen (Orang Utan Gehege).

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    1. Heißt in dem Fal nicht Gelsennet ≈ Huawei?
      Das Huawei Smart City Konzept inklusive des passenden Awards für GE in 2016, die Kooperation bzgl der „Safe-City, die HotSpots in der ZOOM Erlebniswelt, in GE-City, in Buer-City und auch in der Veltins-Arena.
      Das hat doch alles miteinander zu tun gehabt, oder liege ich da falsch?

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    1. Nur weil die billige Nachmache angeboten wird, würde ich unsern asiatischen Fans nicht absprechen wollen, dass sie sich nicht trotzdem originale Trikots gekauft haben und kauen können.

      Außerdem verdienen wir wahrscheinlich einen Festbetrag pro Jahr von Adidas und nicht einen Anteil an jedem verkauften Stück. Der logistische Aufwand wäre sonst auch viel zu hoch…
      Vgl. dazu: http://www.independent.co.uk/sport/football/transfers/transfer-window-premier-league-revealed-how-a-transfer-deal-really-works-a7837031.html

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  3. Mich würde einfach interessieren, ob das „nur“ eine strategische Partnerschaft ist, oder ob da tatsächlich auch monetär etwas bei herumspringt. Ich kann das nicht einschätzen.

    Bei dem Wettanbieter kann man auch geteilter Meinung sein. Bringt dem Verein Geld, ja, aber unter einem nachhaltigen Sponsor stelle ich mir etwas anderes vor. Nun gut …

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  4. Ich habe bei der Pressestelle angefragt:
    „die Sponsoring-Partnerschaft mit Huawei endete bereits vor einem Jahr zum 30.6.2016, die mit Hisense zum 30.6.2017.

    Aktuell hat der FC Schalke 04 Partnerschaften mit zwei chinesischen Medienunternehmen geschlossen: Zum einen eine strategische Partnerschaft mit Beijing Doogoal Technology , einem Anbieter für globale Fußball-News, Berichterstattung und Analysen sowie für ein eigenes Social-Community-Netzwerk. Die dazugehörige Smartphone-App All Football wird von aktiven und ehemaligen Fußballern, Trainern, Kommentatoren, Fans und Journalisten genutzt. Die IOS-App hat im Apple Store bereits mehr als acht Millionen Downloads. Der FC Schalke 04 wird All Football im Zuge der Kooperation mit exklusiven Club-Inhalten beliefern. Darüber hinaus präsentierte Marketing-Vorstand Alexander Jobst in China eine neue Medienpartnerschaft mit Baidu. Das Technikunternehmen gilt als chinesisches Pendant zur Suchmaschine Google.
    Dazu wird ab der Saison 2017/2018 das asiatische Online-Gaming Unternehmen K8 neuer Partner des S04. „

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