Das Transferfenster-Informations-Paradox

Immer wieder das gleiche, im Sommer und im Winter langweilen sich alle zu Tode, weil der Ball nicht rollt. Menschen der Gattung Fußballbegeistert dürsten nach Neuigkeiten rund um den Herzensverein. Da ist aber Ebbe. Also nicht Sand, sondern einfach so wenig spruchreif, dass die Nachrichten spärlich gesät sind. In einem Zeitalter, in dem wir aber spätestens alle 5 Minuten in der einen oder anderen App nachgucken, was es wohl Neues gibt, sind etwa 04 Neuvorstellungen in zwei Monaten extrem unbefriedigend.

Aus Berichterstattersicht ebenfalls. Also Menschen, die damit Geld verdienen, Nachrichten zu generieren. Die haben besonders in der Sommerpause natürlich keinen leichten Stand. Da muss dann schon mal zwei Wochen lang darüber berichtet werden, dass ein Spieler jetzt seine Ernährung umgestellt habe und in der kommenden Saison voll angreifen wolle.

Transfergerüchte

Dem Problem kann man mit Transfergerüchten aber prima entgehen. Wenn ein gewisser Spieler gehandelt wird, kann der wunderbar und breit diskutiert werden. Passt er in die Mannschaft? Zum Trainer? In den Verein? Wie hat der sich denn früher so geschlagen? Gibt’s schmutzige Wäsche, die wir ausbreiten können? Skandale? Sonstige nennenswerte Dinge? Neben wem könnte er dann im Mannschaftsbus sitzen? Und was sagt überhaupt dessen Schwippschwager zu der ganzen Angelegenheit?

Alles Dinge also, die, je nach Interessenlage, zu Klicks führen können. Und damit sicher auch legitim. Interessant dabei ist, dass diese Diskussionen auf einer ganz anderen Ebene stattfinden, losgelöst von dem Verein. Der Transfer selbst verkommt dann nämlich zur Nebensache. Irgendwann wird Vollzug gemeldet oder aber eben nicht. Und dann kann die Diskussion nochmal aufgerollt werden, jetzt mit Fotos in den passenden Farben, oder aber eben nicht. Die Diskussion ist entscheidend, nicht die Nachricht selbst.

Entsprechend werden vage Gerüchte zu richtigen Nachrichten hochgejazzt, um eben so eine Diskussion zu haben. Für mich eine Definition von Boulevard. Ich finde das sehr anstrengend. Es geht um die Diskussion und den Wunsch vieler auf Nachrichten mit leeren Meldungen zu befriedigen. Das ist für viele wichtig. Das respektiere ich, persönlich finde ich das aber doof und mache da nicht mit.

Wissen ist Macht

Und dann gibt’s immer wieder diejenigen, die behaupten die Sportredaktion der Bild sei sehr gut, die hätten eine hohe Trefferquote. Das, verehrte Leserschaft, ist eine dieser Alternativen Fakten™. Immer wieder werden irgendwelche Namen genannt um eine Diskussion vom Zaun zu brechen. Ständig werden Spaghetti an die Wand geschmissen und dann geguckt, was hängen bleibt. Dabei geht’s um Masse nicht um Klasse. Die Meldungen, die auf Interesse stoßen werden weiter verfolgt, andere liegen gelassen. Immer gibt es dabei den Zusatz „wie wir exklusiv berichteten“. So sorgt die Redaktion dafür, dass Du nicht vergisst, wer es zuerst „wusste“. Die Dinge die falsch „gewusst“ waren, werden dagegen ganz schnell aus dem Gedächtnis gelöscht.

Und dann noch dieses Wissen… Ich kann mich noch gut an das erste Mal erinnern, als die Bild ‚wusste‘, dass Manuel Neuer zu den Bayern wechseln würde. Tja, Recht hatten sie. Könnte man jetzt meinen. Ist aber Humbug, denn zwischen der Meldung und der offiziellen Mitteilung lagen mindestens fünf Transferperioden (in Zahlen 5!). Solche Beispiele gibt es tonnenweise, natürlich auch bei anderen Käseblättern/-seiten/-sendern.

Selbstverständlich gibt es auch gutinformierte Journalisten, die mit Nachrichten vorsichtig umgehen. Sogar im Sport. Die Sommerpause hat nur den finanziellen Druck, dass diese es schwer haben. Ethik und Kommerz geraten hier immer wieder aneinander.

Nicht-Wissen macht nichts

Im Großen und Ganzen lebt der Profifußball von der Berichterstattung und Kommunikation rund herum. Da sind Transfergerüchte und der Klatsch drum rum elementarer Bestandteil. Eigentlich ist der Fußball ja nichts anderes wie eine Seifenoper.

Insgesamt ist das aber auch eigentlich egal. Der Fußball ist groß und bietet genug interessante Perspektiven für alle. Ich wünsche allen eine gute Unterhaltung damit, kann mir persönlich dieses Transfergequatsche aber nicht geben.

Und vom Deadline Day will ich gar nicht erst anfangen…

Karsten

Karsten

Karsten ist auf Kohle geboren, in Europas weltschönstem Herten nämlich, der zweitgrößten Stadt in Europa ohne eigenen Bahnhof. Er hat Halbfeldflanke.de gegründet und analysiert da Spiele und Spieler. Hier verausgabt er sich anderweitig.
Karsten

6 Kommentare zu “Das Transferfenster-Informations-Paradox

  1. wird hier mit absicht werbung für dieses komische schmierenblatt mit den 4 buchstaben gemacht?

    Antworten

    1. Huch, Werbung? Ich hatte eher Angst, dass die mir wegen Verunglimpfung auf die Pelle rücken…

      Nein, keine Werbung. Und eigentlich finde ich auch nicht, dass die besonders gut in diesem Text wegkommen. Oder?

      Antworten

      1. … nun immerhin steht dort das wort mit den 4 buchstaben
        hervorgehoben, was sich hinter dem link verbirgt entzieht sich meiner kenntnis.
        ich klicke das grundsätzlich nicht an.

      2. Klick mal. Vertrau mir. Trau Dich. Ich war witzig…

        Durch Verteufelung machst Du die Bild mEn übrigens nur mächtiger. Immer „4 Buchstaben“ zu sagen erregt viel mehr aufsehen als Bildzeitung zu sagen. Das ist ein Schundblatt von Idioten für Idioten. Da muss man nicht anfangen mit „Du weißt schon was“.

  2. Ich bin da voll und ganz bei dir. Meine Devise ist da mittlerweile: Transfergerüchte intetessieren mich erst dann, wenn der Verein Vollzug meldet.

    Ist allerdings nicht immer ganz leicht dran vorbei zu kommen. Der größtenteils männliche, fußballinteressierte Teil meines Freundeskreises findet die Antwort meist eher unbefriedigend…

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